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Innere Medizin 19. Jänner 2006

Hepatitis C: Diagnostik ist Um und Auf

Bei rechtzeitiger Diagnose einer Hepatitis C ist durch die neuen therapeutischen Möglichkeiten mit pegyliertem Interferon alpha mit Ribavirin eine Heilung in vielen Fällen möglich.

Die Hepatitis C (HC) ist ein globales gesundheitliches Problem. Schätzungen zufolge sind weltweit etwa 200 Millionen Menschen mit dem HC-Virus infiziert, in Österreich rund 90.000 Personen betroffen. Die Dunkelziffer ist hoch, wahrscheinlich sind lediglich 40 Prozent der HC-infizierten Personen identifiziert. Dies ist nicht zuletzt in einem mitunter etwas zu nachlässigen Umgang vieler Ärzte mit pathologischen Leberwerten begründet.

Irreführende Symptome

Oft werden die erhöhten Parameter einer Fettleber einem Überkonsum alkoholischer Getränke zugeschrieben und finden kaum weitere Beachtung. Schließlich ist das klinische Bild nicht allzu dramatisch und recht unspezifisch. Nach Infektion mit dem HC-Virus kommt es nur selten zur Entwicklung einer akuten Hepatitis. Meist entwickelt sich primär die chronische Form der Erkrankung, Müdigkeit und Abgeschlagenheit sind mitunter die einzigen Anzeichen. Während eine chronische HC in den meisten Fällen gutartig verläuft, schreitet die Krankheit bei 10 bis 30 Prozent aller Betroffenen nach einer Latenzzeit von 20 bis 30 Jahren zu einer Leberzirrhose bzw. einem Leberzell-Karzinom fort. Es dürfe daher, wie Experten fordern, nicht zu einer Bagatellisierung erhöhter Leberwerte kommen, vielmehr sollen weitere diagnostische Schritte eine erforderliche Therapie frühzeitig initiieren. Ein Screening wäre über die Bestimmung der GPT zwar möglich, Versuche, die bislang in der Vorsorgeuntersuchung durchgeführte Gamma-GT-Erhebung durch diesen Laborparameter zu ersetzen, sind aber bislang gescheitert.

Jeden Laborwert genau prüfen

Die Frage, bei welchen Patienten letztlich ein therapeutisches Eingreifen erforderlich ist, wurde auf der diesjährigen Jahrestagung der Österreichischen Gesellschaft für Gastroenterologie und Hepatologie Mitte Juni in Graz diskutiert. „Auch nur leicht erhöhte Leberwerte müssen genauestens abgeklärt werden“, erklärte Prof. Dr. Peter Ferenci, Univ.-Klinik für Innere Medizin, Klin. Abt. für Gastroenterologie und Hepatologie, Medizinuniversität Wien. „Je früher mit der Therapie begonnen wird, desto besser sind die Aussichten auf Heilung.“ Und nur dann können die Patienten vor den möglichen Langzeitfolgen einer chronischen HC bewahrt werden.

Oberstes Ziel: Schwere Komplikationen verhindern

Das wichtigste Therapieziel sei erreicht, wenn es gelingt, die HC zu heilen, so dass schwere Komplikationen wie Leberzirrhose, Leberversagen und Leberkrebs verhindert werden können. Die Notwendigkeit einer Therapie konnte eine österreichische Langzeit-Untersuchung – begonnen in Folge der Plasmaspender-Causa Ende der 70er-Jahre – an einer Gruppe von 442 infizierten Patienten zeigen. Über einen Beobachtungszeitraum von 27 Jahren wurde evident, dass eine unbehandelte chronische HC-Infektion die Lebenserwartung um 15 bis 18 Jahre reduziert. Die Behandlung der chronischen HC hat sich in den letzten zehn Jahren grundlegend geändert. Ferenci: „Heute ist die Kombination von pegyliertem Interferon alfa mit Ribavirin der Therapiestandard.“ Die erste österreichische Hepatitis-C-Multicenterstudie TRIPEG aus dem Jahr 2004 verglich die Wirksamkeit und Verträglichkeit von pegyliertem Interferon alpha 2a (Pegasys®) und Ribavirin (Copegus®) mit oder ohne Amantadin Sulfat (TRIPEG). Patienten mit Interferon-sensitiven Hepatitis C-Genotyp-1-Stämmen (in Österreich liegt in 7 von 10 Fällen der Genotyp 1 vor) zeigen in dieser Studie fast die gleich guten Heilungschancen wie jene mit den für gewöhnlich gut behandelbaren Genotypen 2 und 3. Ein Drittel der Patienten, die laut Sensitivitätstest mit hoher Wahrscheinlichkeit auf eine Standard-Interferon-Therapie nicht ansprechen, können durch eine 48-wöchige Kombinationstherapie mit Pegasys® und Copegus® geheilt werden. Die empfohlene Therapiedauer ist vom HCV-Genotyp abhängig und beträgt 12 Monate für die Genotypen 1 und 4 bzw. 6 Monate für die Genotypen 2 und 3. Für die Therapie der chronischen HC bedeute die Entwicklung der pegylierten Interferone mit ihrer günstigen Pharmakokinetik einen großen Fortschritt, so Ferenci, weil die lange Halbwertszeit die einmal wöchentliche Gabe ermöglicht und im Vergleich zu konventionellem Interferon-alpha die Nebenwirkungsrate günstiger ausfällt.

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