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Innere Medizin 19. Jänner 2006

Zufallsbefund Zyste: Gesund oder krank?

Immer wieder steht der Allgemeinmediziner vor dem Problem: Was tun mit dem Ultraschallbefund Leberzyste, und wie gehe ich weiter vor bei einer Zyste im Pankreas – kontrollieren, abklären oder nur zur Kenntnis nehmen? Die ÄRZTE WOCHE sprach mit dem Internisten OA Dr. Michael Fasan, Krankenhaus Neunkirchen, über dieses Thema.

„Prinzipiell gilt für Leberzysten, wenn keine Lebererkrankung bekannt ist, oder wenn in der Laborchemie auch keine Krankheit der Leber auftaucht und der Patient wegen völlig anderer Beschwerden beim Hausarzt war, den Befund einfach nur zur Kenntnis zu nehmen und den Patienten aufzuklären, dass dies völlig harmlos ist“, stellt Fasan gleich zu Beginn des Gesprächs fest.

Blande Leberzysten sind häufig

Der Zufallsbefund Leberzyste im Ultraschall (US) ist relativ häufig, und diese meist sehr kleinen Zysten sind üblicherweise kongenital entstanden. „Sie haben bis zu einer Größe von zehn Zentimeter keine klinische Relevanz, und werden auch keine Probleme machen. Blande Leberzysten brauchen keine Ultraschallkontrolle, da es keine wesentliche diagnostische oder therapeutische Konsequenz gibt. Der Patient muss aufgrund dieser Leberzysten, ohne weitere Auffälligkeiten im Labor, nicht wiederbestellt werden. Falls er aber z.B. in einem Jahr von einem Völlegefühl im rechten Oberbauch berichtet, dann sollten die Zysten natürlich kontrolliert werden. Ein CT wird nicht notwendig sein, denn bei zystischen Läsionen ist der US dem CT praktisch gleichwertig, außerdem wesentlich weniger belastend für den Patienten und billiger“, erklärt der Internist „Natürlich kann auch einmal ein Malignom zystisch imponieren, aber ohne auch nur eine leichte Erhöhung der Leberwerte ist dies selten. Bei großen Zysten, die Beschwerden wie Druck im Oberbauch oder gar Ikterus verursachen, muss der Patient dem Chirurgen vorgestellt werden. Davon abzutrennen sind jedoch zystisch imponierende Vorerkrankungen der Leber. Die gehen aber dann sehr wohl mit Symptomen einher. Da wäre z.B. der seltene Amöbenabszess, der im Ultraschall im Gegensatz zu den harmlosen Zysten ein ganz anderes Bild liefert, da er eine andere Dichte hat und nicht nur mit seriöser Flüssigkeit gefüllt ist. Im Blutbild finden sich außerdem Eosinophilie, Entzündungszeichen und erhöhte Leberenzyme.“ Zur Bestätigung der Diagnose können serologische Tests wie der indirekte Immunfluoreszzenztest herangezogen werden. Amöben- oder pyogene Abszesse, die gelegentlich nach abdominellen Operationen auftreten sind chirurgisch oder auch chemotherapeutisch zu behandeln. Echinokokkus-Zysten sind sehr selten und schauen ebenfalls ganz anders aus. Sie haben einen kontrastreichen Inhalt.“ Die Echinokokken-Infektion erfolgt durch orale Aufnahme von Echinokokken-Eiern mit der Entwicklung bis zum Finnenstadium. Als Erreger kommen sowohl Echinokokkus granulosus (cysticus) als auch Echinokokkus multilocularis (alveolaris) in Betracht. Ersterer ist bei uns äußerst selten geworden, Echinokokkus alveolaris kommt hingegen in Österreich noch vor. Endwirte sind hauptsächlich Füchse, der Mensch kommt als Zwischenwirt in Frage.

Gefährliche Echinokokken

„Die Echinokokken-Infektion ist eine sehr gefährliche Erkrankung, die noch nicht ausgestorben ist. Wir hatten vor kurzem einen Fall bei einem Tierarzt, der daran fast gestorben wäre, er hat nur mit knapper Not überlebt“, berichtet Fasan. Durch Echinokokken entstehen Zysten in der Leber, die reißen können, aber auch ein infiltratives Wachstum mit Überschreiten der Organgrenzen ist typisch. Das wiederum führt zu einer diffusen Aussaat mit Echinokokkus-Absiedelungen vor allem im Bauchraum, Peritoneum und in der Lunge mit konsekutivem Schock. „Therapie ist in diesem Fall die Resektion der Zysten unter hochgradiger antiparasitärer Medikation. So ein Patient gehört jedoch in eine Spezialabteilung“, erläutert der Internist. Diese seltene Form von Leberzysten kommt z.B. bei Jägern, Tierärzten und eventuell bei Metzgern und Bauern noch vor.„Am Land geht auch noch immer die Mär um, dass man keine Waldheidelbeeren essen sollte, weil ein Fuchs darauf seinen Kot abgesetzt haben könnte. Das ist meiner Meinung nach keine wirkliche Gefahrenquelle, man kann ruhig Heidelbeeren im Wald essen, und wenn etwas Verdächtiges drauf liegt, wird man diese Beeren sowieso nicht essen, das ist ja klar“, erzählt Fasan. „Der zitierte Tierarzt hatte sich beim Einschicken von Fuchsorganen zur Tollwutuntersuchung infiziert und nicht beim Beerenessen“. Leberzysten finden sich auch bei manchen Patienten mit schweren homozygoten Zystennieren, dem Polycystic Kidney Disease (PKD). Der Spezialist:„Diese Leberzysten können eine beträchtliche Größe annehmen – 10 Zentimeter und mehr –, sodass man sie durch die Bauchdecke auch sehen kann. Hier werden die Zystennieren behandelt, aber die Leberzysten lässt man in Ruhe, außer sie machen große Probleme, und das ist sehr selten.“

Pseudozysten im Pankreas

Pankreaszysten kommen am häufigsten im Rahmen einer chronischen Pankreatitis vor. „Sie sind so genannte Pseudozysten, also flüssigkeitsgefüllte Narben, und sie haben auch keine echte epitheliale Membran. Teilweise können sie eine abenteuerliche Größe erreichen, weit über zehn Zentimeter. Sie verdrängen das umgebende Gewebe, machen natürlich Beschwerden durch Druck und können im Einzelfall die Venen im Oberbauch so beeinträchtigen, dass im schlimmsten Fall ein Vena lienalis-Kompressionssyndrom entsteht, mit der Notwendigkeit, die Milz zu entfernen“, erläutert der Spezialist. Die operative Sanierung dieser Pseudozysten sei angezeigt, wenn massive Beschwerden entstehen, aber sie haben die unangenehme Eigenschaft wieder nachzuwachsen beziehungsweise sich wieder zu füllen, weil die chronische Pankreatitis ein langsam dahin schwelender Prozess ist, gibt der Internist zu bedenken.„Als seltenen Befund kann es schon einmal eine Zyste in einem sonst gesunden Pankreas geben, aber das ist fast nie behandlungswürdig. Die Patienten mit den Pseudozysten sind dem Hausarzt bekannt, weil er sie meist schon seit Jahren mit ihrer chronischen Pankreatitis betreut. Solche Zysten sind also eigentlich kein Zufallsbefund. Alle Beschwerden, die diese Patienten haben, kommen von der Pankreatitis und nicht nur von den Zysten. Parasitäre Zysten im Pankreas sind ein Exotismus“, stellt Fasan abschließend fest.

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