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Innere Medizin 19. Jänner 2006

Unliebsames Souvenir aus den Tropen

In einer Befragung von 21.3000 Reiserückkehrern aus tropischen und subtropischen Regionen hatten 58 Prozent Durchfall. Nur 20 Prozent hatten Fieber.

Von 21.300 Reiserückkehrern aus tropischen und subtropischen Regionen, die das Münchner Tropeninstitut im Jahre 2000 in einer Studie nach Krankheiten befragt hatte, war Diarrhoe am häufigsten genannt worden. Am häufigsten ist bei Tropenrückkehrern eine unkomplizierte wässrige Diarrhoe. Prof. Gerd-Dieter Burchard, Leiter der Klin. Abt. des Bernhard-Nocht-Instituts in Hamburg: „Unkompliziert heißt: kein Fieber, keine Blutauflage beim Stuhl.“ Wenn der Durchfall weniger als drei Tage besteht, ist keine spezifische Stuhldiagnostik nötig, so Burchard. Man könne abwarten oder den Patienten ein Antibiotikum geben, am besten Ciprofloxazin. Denn meist handelt es sich bei importierten Erregern um Bakterien, die selbst limitierende Diarrhoen verursachen.

Enterotoxine E. coli sind in 40 Prozent die Ursache

40 Prozent der Reisediarrhoen seien durch enterotoxigene E. coli verursacht. Dauert ein unkomplizierter wässriger Durchfall länger als drei Tage, sei eine Basisdiagnostik angebracht. Das würde sich beschränken auf eine bakteriologische Stuhluntersuchung auf Salmonellen, Shigellen und Campylobacter und auf eine Stuhluntersuchung auf Parasiten. Die Therapie sei dann klar. Burchard wies aber darauf hin, dass es bei Campylobacter in verschiedenen Ländern, etwa Thailand, zu Chinolonresistenzen gekommen ist.

Durchfall bei Malaria

Burchard: „Geht die Diarrhoe mit Fieber einher, muss immer auch eine Malariadiagnostik mit Dickem Tropfen gemacht werden. Denn nach einer US-Studie haben 16 Prozent der Patienten mit Malaria tropica Durchfall, mitunter sogar als Hauptsymptom. Außerdem ist bei Diarrhoe mit Fieber immer ein Blutbild nötig.“ Durchfall mit blutigen Auflagerungen kann Symptom einer Shigellen- oder Amöben-Ruhr sein. Erster differenzialdiagnostischer Hinweis ist die Inkubationszeit. Liegt die Tropenreise schon länger zurück, spreche das eher für eine Amöben-Ruhr. Die Symptomatik entwickle sich meistens langsamer als bei der Shigellen-Ruhr. Ein Drittel der Patienten mit Amöben-Ruhr hat auch Fieber. Zur Basisdiagnostik ist hier auch eine Nativstuhluntersuchung auf Entamoeba histolytica sinnvoll. „Nativstuhl deshalb, weil sich die Amöben dann noch bewegen“, erklärte der Tropenmediziner. „Beim Befund Entamoeba histolytica/dispar könnte der Patient auch eine Infektion mit dem apathogenen Keim Entamoeba dispar plus Shigellen-Ruhr haben. Dann muss eine weitere Diagnostik erfolgen, eventuell eine PCR.“ Ein weiterer Sonderfall ist die Diarrhoe mit Eosinophilie. Doch so Burchard: „Würmer spielen in der Reisemedizin keine so große Rolle.“ Die Ausnahme ist der Zwergfadenwurm. Bei Durchfall mit Eosinophilie sollte eine Untersuchung auf Zwergfadenwurm-Larven erfolgen. Persistiert der Durchfall trotz negativer Erstdiagnostik, rät Burchard, die gesamte Diagnostik zu wiederholen. Dann müsse man auch an seltene Erreger wie Coccidien denken. Bei chronischer Diarrhoe, die länger als vier Wochen anhält, sind die Erreger häufig Giardia lamblia. Als Therapie ex juvantibus könne zwei Gramm Timidazol über drei Tage gegeben werden. Dann sollte aber ein Tropenmediziner zu Rate gezogen werden.

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