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Innere Medizin 17. Jänner 2006

Komplementäre Onkologie – quo vadis?

Mit Stand Mitte 2005 wurden von österreichischen Ärzten bisher 5.227 Komplementärmedizin-Diplome erworben; fast die Hälfte davon Diplome für Akupunktur. Auf weiteren Plätzen folgen die Diplome für Manuelle Medizin (1.658) und Homöopathie (546). Diese aktuellen Zahlen zum Thema „Komplementärmedizin in Österreich“ wurden beim 2. Internationalen Kongress für Komplementärmedizin und Krebserkrankungen Mitte November 2005 in Wien präsentiert.

„Was den komplementärmedizinischen Bekanntheitsgrad in der österreichischen Bevölkerung betrifft, so besitzt die Homöopathie den höchsten, gefolgt von Akupunktur, Akupressur und Traditioneller Chinesischer Medizin“, erklärte Dr. Anton Felleitner, Allgemeinmediziner in Sigleß, Burgenland, und Ärztekammer-Referent beim 2. Internationalen Kongress für Komplementärmedizin und Krebserkrankungen. Die Zahl der komplementärmedizinisch behandelten Patienten habe dabei zwischen 1997 und 2003 deutlich zugenommen.

Ausbildungsdauer und Kosten

Wie Felleitner erläuterte, müsse für das Akupunktur-Diplom eine 140-stündige Ausbildung (Dauer: zwei Jahre) absolviert werden. Die Kosten der Kurse betragen 1.800 Euro. Die Homöopathie-Ausbildung dauert mindestens drei Jahre (350 Stunden). Kurskosten: 5.600 Euro, hinzukommen 1.500 Euro für Bücher. Für das Diplom in Manueller Medizin ist mit einer Ausbildungsdauer von ca. 2,5 Jahren zu rechnen (300 Stunden). Die Kurskosten beziffern sich mit ca. 3.300 Euro. In allen Fällen schließt die Ausbildung mit einer Prüfung ab. Die Honorare betragen bei der Akupunktur für die Erstordination inklusive Anamnese 50 bis 55 Euro, für die Folgeordinationen 35 bis 40 Euro. „Für die Homöopathie-Erst­anamnese werden im Allgemeinen 150 bis 300 Euro verrechnet, für die Folgeordination, in Abhängigkeit vom Zeitaufwand, bis zu 100 Euro“, so der Experte. Die Manuelle Medizin werde von der Kasse bezahlt. Felleitner ortet derzeit „einen Paradigmenwechsel weg von der Fokussierung auf das Immunsystem, das Tumore und andere Eindringlinge als nicht zum eigenen Körper gehörig erkennt, einkreist und zerstört, hin zur mit Hilfe der komplementären Medizin erzielbaren Harmonie“. Dr. Peter Holzhauer, Veramed-Klinik München, beschäftigte sich mit dem Thema „Onkologische Komplementärmedizin – quo vadis?“. „Krebspatienten suchen, unterstützt durch das Internet, nach neuen Wegen der Hilfe“, so Holzhauer. „Sie suchen aber auch nach Verständnis, Empathie und patientennaher Kommunikation.“ Hier liege die Kernkompetenz der komplementären Onkologie.

Weitere wissenschaftliche Evaluierung erforderlich

Mittlerweile hätten sich zahlreiche Methoden der komplementären Medizin als flankierende Maßnahmen der konventionellen Krebs-Basistherapie für den klinischen Einsatz qualifiziert. Generell sollte der weiteren wissenschaftlichen Evaluierung höchste Priorität eingeräumt werden. Ziel müsse letztendlich die breit akzeptierte Integration komplementärmedizinischer Substanzen und Methoden in das bestehende Repertoire der konventionellen supportiven Therapie sein. Dazu sei eine effektive Kooperation von Meinungsbildnern aus dem Bereich der Komplementärmedizin dringend erforderlich. Auch die immer kompetenter werdenden Patienten und ihre Interessensvertretungen sollten eingebunden werden. Prof. Dr. Frank Daudert, Pro Leben-Klinik Igls, betonte, dass onkologisch tätige Ärzte auf keinen Fall Prognosen stellen dürfen, die sich dann nicht selten als selbst erfüllende Prophezeiungen bestätigen. „Jeder onkologische Patient hat letztlich die Chance, über seine Selbstheilungskräfte Therapieeffekte zu erfahren, die alles in den Schatten stellen, was wir uns vorstellen können“, so Daudert. Diese Hoffnung dürfe einem schwer erkrankten Patienten nicht genommen werden. Insofern sei „austherapiert“ eines der schrecklichsten Wörter. „Auch Patienten mit fortgeschrittenen Krankheitsbildern können wieder Lebensqualität und Zuversicht gewinnen“, sagte Daudert. Durch eine entsprechende Schmerztherapie, Psychoonkologie, Aufbauinfusionen mit hochdosierten Vitaminen, Mineralstoffen, Spurenelementen und Enzymen, Einsatz von Phytopharmaka, immunmodulatorische Therapien mit hochdosierten Thymus-/­Milz-/Mesenchym-Peptiden und ein freundschaftliches Verhältnis zum Patienten komme es oftmals rasch zu einer Stabilisierung des Gesamtzustandes. „Nicht selten gelingt es, die Patienten wieder voll ins Alltagsleben zu integrieren“, so Daudert.

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