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Innere Medizin 17. Jänner 2006

Hohe Gamma-GT: Erhöhtes Risiko für tödliche Infarkte

Ein mäßig bis stark erhöhter Gamma-GT-Wert lässt Aussagen über die Sterbewahrscheinlichkeit an kardiovaskulären Erkrankungen zu. Der Risikomarker rangiert in der Wertigkeit offenbar an dritter Stelle, gleich hinter erhöhtem systolischem Blutdruck und Rauchen.

Über den Zusammenhang zwischen Gamma-GT-Werten und der Wahrscheinlichkeit, an einer kardiovaskulären Krankheit zu sterben, berichteten Prof. Dr. Hanno Ulmer von der Universität Innsbruck und seine Kollegen in der Fachzeitschrift „Circulation“ (112, 2005, 2130). Die Wissenschaftler hatten in 17 Jahren bei 164.000 Österreichern im Alter von 42 Jahren die Gamma-Glut-amyl-Transferase (Gamma-GT) im Zusammenhang mit dem Vorarlberger Gesundheitsmonitoring-Programm prospektiv bestimmt. Sowohl bei Männern als auch bei Frauen waren erhöhte Gamma-GT-Werte signifikant mit der kardiovaskulären Sterberate assoziiert. Die Dosis-Wirkungs-Beziehung war eindeutig und der Zusammenhang unabhängig von anderen bekannten Risikofaktoren. So haben Männer mit einer Gamma-GT von mehr als 55 U/l ein 1,6-fach höheres Sterberisiko als mit niedrigen Werten (unter 14 U/l); und Frauen mit mehr als 35 U/l haben ein 1,5-fach höheres Risiko als bei Werten unter 9 U/l. Der Schwellenwert, ab dem der Test ausreichend sensitiv ist, liegt nach Ulmers Angaben noch im Normalbereich, nämlich bei 16 U/l bei Männern und 11 U/l bei Frauen. Der Zusammenhang bestätigte sich in allen Subgruppen, etwa bei KHK, chronischer Herzinsuffizienz sowie Schlaganfall, war aber nicht immer signifikant. Die Studie bestätigt Resultate vorangegangener Untersuchungen. Offenbar ist die Gamma-GT am Pathomechanismus der Atherosklerose direkt beteiligt. Das Enzym sei in zerebralen, koronaren und Karotis-Plaques gefunden worden, so Dr. Michele Emdin aus Pisa in Italien in einem Kommentar (Circulation 112, 2005, 2078). Es triggere dort pro-oxida-tive Prozesse. LDL-Lipoproteine transportieren Gamma-GT. Auch korreliere die Gamma-GT-Erhöhung mit dem Ausmaß der Plaque-Instabilität. „Brauchen wir noch einen weiteren Risikofaktor?“ fragt Emdin. Die Antwort lautet: Ja! Die Gamma-GT könnten im Einzelfall für die Differenzialtherapie bedeutend werden, so Emdin. Schließlich vermehrten die Erkenntnisse auch das Verständnis für die Pathomechanismen der Atherosklerose.

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