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Innere Medizin 16. Jänner 2006

Moderne Labordiagnostik der Herzinsuffizienz

Zur Abklärung einer Herzinsuffizienz haben sich in der Labordiagnostik vor allem natriuretische Peptide als nützlich erwiesen.

Die primäre Verdachtsdiagnose kann bei Herzinsuffizienz nur aufgrund unspezifischer Symptome, wie Atemnot, Beinödeme etc., gestellt werden. Deshalb sind Fehldiagnosen häufig. Die Absicherung des klinischen Verdachts kann in den meisten Fällen nur durch zusätzliche Untersuchungen (EKG, Herz-Lungenröntgen, Echokardiographie, Labordiagnostik) erfolgen. Dabei haben sich laborchemische Marker – allen voran natri-uretische Peptide – als nützlich erwiesen. Diese Hormone werden vom Herzen gebildet und sind für die Regulation des Wasser-Elektrolyt-Haushaltes wichtig.

Natriuretische Peptide

Neben dem atrialen natriuretischen Peptid (ANP) können im Blut auch strukturell ähnliche Peptide wie CNP (C-Typ) sowie BNP (Brain-Typ; wurde ursprünglich aus Schweinehirn isoliert und daher der Name) gemessen werden. Als besonders geeignet für die kardiale Diagnostik hat sich die Bestimmung von N-terminalem pro-B-Typ natriuretischem Peptid (NT-proBNP) herausgestellt. Der Vorteil dieser Labormessgröße liegt darin, dass im Vergleich zu den anderen Peptiden unter pathologischen Bedingungen (Herzinsuffizienz) höhere Konzentrationen von NT-proBNP nachweisbar sind. NT-proBNP wird nahezu ausschließlich vom Herzen gebildet und weist auf eine neurohormonale Aktivierung des Myokards hin. Eine vermehrte Ausschüttung dieses Hormons lässt sich auf den Dehnungsreiz des Ventrikels bei kardialer Dysfunktion zurückführen. Normale Messwerte von NT-proBNP lassen den Schluss zu, dass keine ventrikuläre Dysfunktion vorliegt. Leidet ein Patient an einer Herzinsuffizienz, kommt es zum Anstieg von NT-proBNP im Blut, wobei dieser in einem direkt proportionalen Verhältnis zur Schwere der ventrikulären Dysfunktion (entsprechend der NYHA-Klassifikation I-IV) steht.

Besonders wertvoll in der Akut-Diagnostik

Besonderen Wert besitzt die Bestimmung von NT-proBNP in der Akutversorgung von Patienten mit klinischem Verdacht auf Herzinsuffizienz. Hier ist insbesondere die hohe diagnostische Sensitivität dieses Labormesswertes hervorzuheben, da NT-proBNP auch bereits in frühen Stadien der Erkrankung richtig positive Ergebnisse liefert. Zu erwähnen ist auch der negative prädiktive Wert von NT-proBNP mit fast 100 Prozent (d.h. bei nicht erhöhten Werten besteht mit hoher Wahrscheinlichkeit keine ventrikuläre Dysfunktion). Als Indikationen für die Bestimmung von NT-proBNP gelten:
• Ausschluss einer Herzinsuffizienz: bei klinischem Verdacht, z.B. Dyspnoe, hoher negativ prädiktiver Wert,
• Abschätzung des Schweregrades einer Herzinsuffizienz (NYHA-Klassifikation),
• Differenzialdiagnose bei akuter Dyspnoe (kardial [NT-proBNP] / pulmonal [D-Dimer]) sowie
• Monitoring nach therapeutischer Intervention.
Insgesamt gesehen überwiegen die Vorteile. Einziger Nachteil von NT-proBNP ist der hohe Preis mit mindestens 30 Euro pro Einzel-analyse. Außerdem lassen die altersabhängigen Referenzbereiche in bestimmten Fällen einen gewissen Interpretationsspielraum offen.

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