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Innere Medizin 16. Jänner 2006

Primär-PCI bei akutem Koronarsyndrom

Nach den aktuellen Leitlinien der europäischen kardiologischen Gesellschaft stellt die primäre Katheterintervention, bei Einhaltung der Zeitintervalle, die bevorzugte Behandlungsstrategie dar. Studien zufolge ist sie der Fibrinolyse klar überlegen.

Die rasche perkutane Koronarintervention ohne vorangegangene Lyse (Primär-PCI oder Primärdilatation) nimmt bei der Versorgung der österreichischen Bevölkerung mit einem akuten Koronarsyndrom (ACS) einen wachsenden Stellenwert ein. Im internationalen Vergleich liegt Österreich mit 5.500 koronarangiographischen Verfahren und 2.000 perkutanen Koronarinterventionen (PCI) pro Million Einwohner im vorderen europäischen Feld. Im Jahr 2004 stellte die perkutane transluminale coronare Angioplastie (PTCA oder PCI) mit 59 Prozent erstmals die Mehrheit aller Reperfusionsmaßnahmen beim akuten Koronarsyndrom (ACS) dar. Die Thrombolyse wird in 39 Prozent durchgeführt. Oftmals jedoch erhalten die Betroffenen keine diesbezüglichen Therapien. Dabei zeigt das rasche interventionelle Vorgehen einen statistisch signifikanten Benefit: „Die Vorteile der mechanischen Reperfusion gegenüber der Lyse sind in Metaanalysen gut dokumentiert“, erklärte Prof. Dr. Franz Weidinger, Kardiologische Abteilung, Univ.-Klinik Innsbruck, anlässlich der Jahrestagung der Österreichischen Kardiologischen Gesellschaft Anfang Juni 2005 in Salzburg.

Geringere Reinfarktrate und Schlaganfallinzidenz

Neben einer geringeren Mortalität nach 30 Tagen ist auch die Reinfarktrate niedriger. Gleichzeitig sinkt die Schlaganfallinzidenz durch einen zeitgerechten Eingriff. Weidinger: „Generell kann mittels interventioneller Technik eine höhere Öffnungsrate mit Wiederherstellung eines normalen Blutflusses im Myokard erzielt werden.“ Sowohl Mortalität als auch die Zahl der Myokardinfarkte und der Rehospitalisierungen können signifikant gesenkt werden. In einer unklaren diagnostischen Situation und bei Kontraindikationen zur Fibrinolyse stellt die Primär-Dilatation nach den Leitlinien europäischen kardiologischen Gesellschaft die einzige Option zur Revaskularisation dar. Bei Patienten im kardiogenen Schock seien die Ergebnisse der Fibrinolyse schlecht, so dass hier die Katheterintervention vorrangig empfohlen wird. Für die Fibrinolyse ist eine Senkung der Mortalität nur für einen Zeitraum von zwölf Stunden ab Symptombeginn bis zum Beginn der Fibrinolyse nachgewiesen. Ob dieses generelle Zeitlimit auch für die Primär-Dilatation gilt, ist unklar.

Studien belegen Vorteile

Der Vorteil einer primären PCI ohne vorangegangene Lyse als routinemäßige Reperfusionsstrategie konnte durch eine Reihe von Studien belegt werden. Zusätzlich zur Verbesserung der Überlebensrate reduziert die PCI das Schlaganfallrisiko im Vergleich zur Fibrinolyse aufgrund der Vermeidung von Hirnblutungen absolut um ein Prozent. Das Reinfarktrisiko wird durch die PCI im Vergleich zur Fibrinolyse um mehr als die Hälfte gesenkt. Die positiven Effekte der Primär-Dilatation bleiben im Langzeitverlauf erhalten.

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