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Innere Medizin 16. Jänner 2006

Herzklappenfehler: „Reparatur“ ohne Operation

Besonders ältere, multimorbide PatientInnen mit einer Herzklappenerkrankung könnten zukünftig von neuer Technologie profitieren.

Bei den meisten Formen von Herzklappenerkrankungen bestand bisher die einzige Therapiemöglichkeit darin, einen Eingriff am stillgelegten offenen Herzen durchzuführen. Dazu gehört auch die häufig bei Menschen über 65 Jahren auftretende Aortenstenose. „Bei dieser extrem bösartigen Erkrankung verringert sich die Lebenserwartung vom Augenblick der ersten auftretenden Beschwerden, wenn sie unbehandelt bleibt, auf zwei bis drei Jahre“, erläuterte Prof. Dr. Helmut Baumgartner, Abteilung für Kardiologie, Universitätsklinik für Innere Medizin II am AKH Wien, und Präsident der Österreichischen Kardiologischen Gesellschaft (ÖKG) im Rahmen einer Pressekonferenz anlässlich der Jahrestagung der ÖKG.

Geringeres Risiko

Zwei bis neun Prozent der über 65-Jährigen sind von der Erkrankung betroffen. Die Ballondilatation, die bei relativ selten auftretenden Verengungen der Pulmonal- und Mitralklappe erfolgreich therapeutisch angewendet werden kann, war bisher bei der verkalkten Aortenstenose wirkungslos. „Die einzige therapeutische Möglichkeit bestand bisher in einem Eingriff am offenen, stillgelegten Herzen“, hielt Baumgartner fest. „Dies stellt aber gerade für den älteren, häufig multimorbiden Patienten ein großes Risiko dar.“ Nach jahrelanger Forschung ist es nunmehr gelungen, biologische Herzklappen zu entwickeln, die mittels Kathetertechnik implantiert und erstmals auch zur Therapie der Aortenstenose eingesetzt werden können. Dabei wird über einen Ballonkatheter die in einen Stent eingenähte, zusammengefaltete Herzklappe von der Leistenarterie bis zur erkrankten Herzklappe vorgeschoben. Dort wird der Ballon gefüllt und entfaltet, die kranke verengte Klappe erweitert und der Stent in das Klappengewebe bzw. die Gefäßwand gedrückt, was die Klappe an dieser Stelle fix positioniert. Studien geplant Ein französisches Zentrum konnte diese neue Therapiemöglichkeit bisher unter streng kontrollierten Bedingungen an 30 PatientInnen erfolgreich testen. Mehrere multizentrische Studien sind geplant. „Auch die Wiener Universitätsklinik wird daran beteiligt sein“, so Baumgartner weiter, der allerdings vor allzu großer Euphorie warnte: „Derzeit ist der Einsatz dieser neuartigen Herzklappen nur unter Studienbedingungen und bei Patienten möglich, für die eine Operation nicht in Frage kommt.“ Er rechnet allerdings damit, dass das neue Verfahren bereits in wenigen Jahren vor allem für ältere, multimorbide Patienten eine Alternative zur Klappen-Operation am offenen Herzen bieten wird. Auch zur Therapie von Herzklappeninsuffizienzen werden derzeit erstmals katheterinterventionelle Verfahren erprobt. „Die ersten Ergebnisse sind vielversprechend, sagte Baumgartner, der mit einem Einsatz dieser neuen Therapiemöglichkeit am Menschen bereits in wenigen Jahren rechnet.

Sabine Fisch, Ärzte Woche 4/2004

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