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Innere Medizin 16. Jänner 2006

Mit Vorhofflimmern gleich ins Krankenhaus?

Zuwarten und in der Praxis betreuen oder möglichst schnell ins Spital? Antworten darauf gaben zwei Kardiologen bei einer Tagung in Salzburg.

Circa 40 Prozent der Patienten, die irgendwann ein Vorhofflimmer-EKG präsentiert haben, bekommen Rezidive, also intermittierendes Vorhofflimmern, sei es paroxysmal oder persistierend. Das sind in Österreich circa 51.200 Patienten. Von diesen rezidivierenden Fällen sind nur zwölf Prozent, also 6.144, pharmakologisch so in den Griff zu kriegen, dass sie zufrieden sind. Bei der Jahrestagung der Österreichischen Kardiologischen Gesellschaft wurde dieses medizinische Problem von einem niedergelassenen Kardiologen und einem Spitalsarzt beleuchtet.

Instabile ins Krankenhaus

Dr. Wilhelm Kaltenbrunner, 3. Med. Abt. mit Kardiologie, Wilhelminenspital Wien, erläuterte: „Die minimale klinische Untersuchung, Anamnese, klinisch physikalischer Status und Ausschluss von assoziierten Erkrankungen sind ganz entscheidend und tragen in allererster Linie zur guten Betreuung des Patienten bei.“ Die Vorstellung an einer Klinik sei notwendig, wenn der Patient „instabil“ ist, also eine für ihn inakzeptable Symptomatik besteht. Auch bei Angina pectoris, Manifestation einer Herzinsuffizienz, dekompensierter Herzinsuffizienz durch die Vorhofflimmerepisode, bei einer symptomatischen Hypotonie und einer embolischen Symptomatik sollte der Patient ins Spital überwiesen werden. „Inadäquat häufige Rezidivsymptomatik ist ebenfalls ein Grund, ein Zentrum zu fragen“, meinte Kaltenbrunner. „Patienten, die rhythmusspezifisch pharmakologisch behandelt sind und bei denen es im weiteren Verlauf zu Tachy- oder Bradykardien kommt oder bei denen im Follow-up eine Amiodarontoxizität festgestellt wird, sollten sie überweisen.“

Spontane Konversion häufig

Der niedergelassene Kardiologe Dr. Anton Glöcklhofer aus Bregenz rät bei neu aufgetretenem Vorhofflimmern zum Zuwarten: „In 83 Prozent der Fälle kommt es innerhalb von zwei Tagen zu einer spontanen Konversion in den Sinusrhythmus. Daher glaube ich, dass mit der Akutaufnahme und Akutbehandlung solcher Patienten etwas gewartet werden kann, weil eben viele von selbst umspringen und nicht jeder auf eine Intensivstation muss, denn das ist ja immer die Alternative.“ Wenn ein Patient nicht umspringe, sei immer noch Zeit, die entsprechenden Maßnahmen zu ergreifen, falls überhaupt eine Kardioversion in Erwägung gezogen werde. Das wäre der Fall, wenn der Patient mit seinen Beschwerden nicht gut leben kann. „Dann braucht er eine antiarrhythmische Therapie“, meinte der Kardiologe. Er ist überzeugt, dass die meisten Patienten im Laufe der Erkrankung problematisch werden und damit Kandidaten für eine Institution seien. Entscheidend ist für Glöcklhofer die richtige Selektion und Therapiekontrolle der Patienten für bestimmte antiarrythmische Medikamente: „Das ist meist wichtiger als die Frage, ob diese Behandlung im Spital oder zu Hause geschieht. Die Guidelines der europäischen Gesellschaften beinhalten sowohl die Therapie im Spital als auch außerhalb.“ Wer sich über Torsades de pointes informieren möchte, könne dies auf der Homepage www.torsades.org tun – einer sehr guten, von einer Universität in Arizona laufend aktualisierten Homepage.

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