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Innere Medizin 16. Jänner 2006

Editorial: Staffellauf in der Infarktarena

Notruf an Rettungswagen, Rettungswagen an Spital, Spital an den Hausarzt, Hausarzt kommt nicht ins Ziel – er hat die Staffel, den Patienten, unterwegs verloren. Die Unlust der Österreicher zur Prävention erzeugt eine immer länger werdende Kette von Versorgungs-Stationen. Das Dilemma dabei: Der großen Schar von engagierten Lebensrettern stehen mehr oder weniger ratlose Gesundheitspolitiker gegenüber, die beim finanziellen Löcherstopfen immer wieder neue Risse hinterlassen. In der Hetze des Alltags bleibt kaum Zeit für gesundheitsfördernde Aktivitäten. So mancher wacht erst auf, wenn es beinahe schon zu spät ist. Ein Beispiel dafür ist der Aufdecker-Guru unter Österreichs Journalisten, Alfred Worm, der am vergangenen Sonntag in „Frühstück bei mir“ zu Gast war. Er hat vor zehn Jahren am eigenen Leib erfahren, dass die Medizin in der Lage ist, „Herzen, die komplett am Sand sind, wieder in Gang zu bringen“. Die Kunst der Ärzte hat es ihm ermöglicht, seinem Leben eine Wende zu geben: mit quit smoking, vier Stunden täglich Radfahren und einer Neuorientierung der Prioritäten im Leben. Aber selbst Prominente geben dem Vorsorgebewusstsein von Frau und Herrn Österreicher keinen entscheidenden Auftrieb. Bleibt also nur die Möglichkeit, für den „Fall des Falles“ alles bereit zu stellen, um Leben zu retten.
Österreichs Kardiologen legen sich dafür ins Zeug. Wohin die Reise gehen soll, berichten wir in diesem FOKUS. Der Bogen der Berichte spannt sich von Akutversorgung bis Vorhofflimmern mit dem Grundtenor, dass ein konzertiertes Vorgehen von Basisversorgern und Spezialisten die Qualität der medizinischen Versorgung bestimmt. Ein Lob verdienen jedenfalls all jene, die in unserem Gesundheitssystem nach jeder Staffelübernahme losrennen – ohne Wenn und Aber ... und trotzdem. Trotzdem niemand sagen kann oder will oder weiß, wo genau das Ziel ist. Dafür sind wir aber schneller dort – wenn der Rettungswagen noch rechtzeitig kommt.

Eine bereichernde Lektüre wünschen Ihnen, liebe Leserinnen und Leser,

Herbert Hauser, Chefredakteur, und das Redaktionsteam der ÄRZTE WOCHE

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