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Innere Medizin 10. Jänner 2006

Revolutionäre Tuberkulose-Diagnostik

Die Vorteile der neuen Methode liegen in der einfachen Anwendung, der hohen Sensitivität (90%) und der hohen Spezifität (98%).

Gamma-Interferon ist stabil, messbar und kommt im Serum normalerweise und bei den meisten atypischen Mykobakteriosen nicht vor. T-Lymphozyten produzieren jedoch als Antwort auf eine Tuberkulose-Infektion IFN-gamma. Mit den Gamma-Interferon-Release-Assays für die Tuberkulose-Diagnostik sind BCG-Effekte Vergangenheit. Die verbesserte Identifikation und Therapie der latenten Tuberkulose erlaubt eine signifikante Verbesserung der TB-Kontrolle und minimiert die Anzahl der fälschlich behandelten latenten Fälle. In der konventionellen Diagnostik der aktiven und latenten Tuberkulose gibt es zahlreiche Probleme. Dazu zählen die unterschiedlichsten klinischen Erscheinungsformen, variable radiologische Bilder, die unzuverlässige Serologie, untypische Laborbefunde, Schwierigkeiten bei der Ablesung und Interpretation des Tuberkulintests, unzureichende Spezifität der Histologie und der hohe Zeitaufwand für spezifische Kulturen. Die Probleme beim Mendel-Mantoux-Test (Tuberkulintest) beziehen sich auf die BCG-Impfung, auf den möglichen Kontakt mit atypischen Mykobakterien, auf eine eventuelle Immunsuppression, auf Anlage- und Ablesefehler. Außerdem muss mit einem Booster-Effekt gerechnet werden, weil die Reaktivität bei Infizierten mit der Zeit schwindet. Ein neuerlicher Test wirkt jedoch als Booster für weitere Tests und kann fälschlich als Neuinfektion interpretiert werden.

Vorteile der neuen Methode

Die neue, revolutionäre Tuberkulose-Diagnostik mit der „Standard QuantiFERON®-TB Gold Test Methode“ wurde im Dezember 2005 im Wiener Otto Wagner Spital (OWS) vom Leiter des Arbeitskreises Tuberkulose der Österreichischen Gesellschaft für Pneumologie, Dr. Rudolf Rumetshofer, OWS Wien, vorgestellt. Die hohe Sensitivität und Spezifität, die einfache Anwendung durch eine Blutabnahme und der Wegfall von BCG-Effekten eröffnen eine neue Ära der TB-Diagnostik. Der Kandidatenkreis für die Anwendung von Gamma-Interferon-Release-Assays umfasst ein breites Spektrum: Jene mit Risikofaktoren für eine TB-Aktivierung, immunkompromittierte Personen, Einwanderer aus TB-Endemie-Gebieten, gefährdete Personen wie Obdachlose, Drogenabhängige, Mitarbeiter in der Tuberkulosebekämpfung, Patienten mit auffälligem Thoraxröntgen als Hinweis auf eine alte oder rezente TB sowie Patienten vor Organtransplantation. Mit Gamma-Interferon-Release-Assays können die Wünsche der Kliniker an die Immundiagnose der Tuberkulose erfüllt werden. Die fünf wichtigsten Wünsche beziehen sich auf die Differenzialdiagnose zwischen latenter und aktiver TB, auf die Unterscheidung von BCG-Reaktionen, atypischen Mykobakteriosen und einer Mykobacterium tuberculosis-Infektion, auf das Monitoring des Therapieverlaufes und auf die Prognose der Reaktivierung einer latenten Infektion. Für den QuantiFERON® Test wird ein Röhrchen mit heparinisiertem Vollblut benötigt. Ein Teil der Probe kommt über Nacht bei 37 Grad Celsius mit einem speziellen Antigen auf eine Kulturplatte, das Plasma eines weiteren Probenanteils wird auf einer ELISA-Platte für 120 Minuten bei Raumtemperatur inkubiert. Auf diese Weise können die Interferon-Gamma-Spiegel exakt bestimmt werden.

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