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Innere Medizin 14. Dezember 2005

Neuer Rettungsanker für Dialyse-Patienten

Die Einführung des innovativen Phosphatbinders Lanthankarbonat (Fosrenol®) stellt einen bedeutenden Fortschritt im Management von Dialyse-Patienten dar. Lanthankarbonat in einem Dosisbereich bis 3.000 mg pro Tag ermöglicht bei den meisten Patienten die Einstellung auf wichtige metabolische Zielwerte.

Im Wiener Museumsquartier fand am 2. Dezember 2005 das Launch-Symposium für einen neuen, bemerkenswerten oralen Phosphatbinder statt. Internationale Experten stellten das kalzium- und aluminiumfreie Lanthankarbonat vor, das als Fosrenol®-Kautablette (Sanova Pharma) auf den Markt kommen wird. Lanthankarbonat zeichnet sich im Vergleich zur bisherigen konventionellen Behandlung der Hyperphosphatämie bei terminaler Niereninsuffizienz durch höchste Effizienz, ausgezeichnete Verträglichkeit, Einfachheit des Regimes und sichere pharmakokinetische und pharmakodynamische Daten aus. Die Substanz vermeidet eine Kalziumüberladung und reduziert das Risiko kardiovaskulärer Kalzifizierungen. Die geringe tägliche Tablettenzahl erhöht die für einen anhaltenden Behandlungserfolg entscheidende Therapieadhärenz. Weltweit leiden mehr als eine Million Menschen an einer Niereninsuffizienz im Endstadium (ESRD), wobei mehr als 85 Prozent der Nierenfunktion (GRF <15 ml/min) verloren gegangen sind. Die Prävalenz der ESRD nimmt aufgrund des Populationsanstiegs bei der älteren Bevölkerung und der wachsenden Anzahl an Risikopatienten mit Diabetes mellitus, Bluthochdruck und Übergewicht stetig zu. Viele ESRD-Patienten benötigen über mehrere Jahre hinweg eine Dialyse, während sie auf eine Nierentransplantation warten. Eine der Hauptfunktionen der Niere ist die Aufrechterhaltung der Homöostase zwischen Phosphat und Kalzium, die aus dem Darm in die Blutbahn resorbiert und entweder über die Nieren ausgeschieden oder in den Knochen abgelagert werden. Bei Personen mit normaler Nierenfunktion werden die Serumspiegel von Phosphat und Kalzium durch das Zusammenspiel von Parathormon (PTH) aus der Nebenschilddrüse und Calcitriol (1,25-Dihydroxy-Vitamin D3), das in Leber und Nieren produziert wird, geregelt.

Störung der physiologischen Kontrollmechanismen

Da bei ESRD-Patienten die Nierenfunktion versagt, kommt es zu einer Störung der physiologischen Mechanismen, die Kalzium und Phosphat kontrollieren, einschließlich Calcitriol und PTH. Normale Serum-Phosphatspiegel liegen zwischen 1,13 und 1,77 mmol/l (3,5 und 5,5 mg/dl). Das Ca x P-Produkt soll weniger als 4,44 mmol²/l² (55 mg²/dl²) betragen. Prof. Dr. Gert Mayer, Vorstand der Abteilung für Nephrologie, Medizinische Universität Innsbruck: „Die terminale Niereninsuffizienz führt zu steigenden Serum-Phosphatspiegeln, die durch die konventionelle Dialyse nicht ausreichend kontrolliert werden können. Die Hyperphosphatämie steht mit vielfachen Begleiterscheinungen und einem erhöhten Morbiditäts- und Mortalitätsrisiko in Zusammenhang. Zusätzlich entwickeln sich ein sekundärer Hyperparathyreoidismus mit renaler Osteodystrophie und eine metastatische Kalzifizierung.“

Konventionelle Dialyse nicht ausreichend

Die konventionelle Dialyse eliminiert lediglich bis zu 3.000 mg Phosphat pro Woche. Daher ist eine Dialyse allein, selbst bei Patienten unter restriktiver Phosphat-Diät, nicht ausreichend. Zurzeit für die Behandlung der Hyperphosphatämie verwendete Medikamente weisen aufgrund relativ niedriger Spezifität Nachteile auf. So wurden beispielsweise Vitaminmangelerscheinungen beobachtet. Kalzium- und Aluminium-Derivate weisen erhebliche Toxizitäten auf. „Fosrenol® ist ein potenter und selektiver, kalzium- und aluminiumfreier Phosphatbinder mit äußerst geringer Absorption und vernachlässigbarer renaler Clearance“, berichtete Dr. Steve Damment, Senior Vice President, Global Biosciences, Shire Research & Developement, beim Launch-Symposium: „Die Exposition und die Pharmakokinetik von Lanthanum sind bei gesunden Menschen und bei Patienten mit terminaler Niereninsuffizienz vergleichbar. Seine hohe Bindungsaffinität gilt für hohe und niedrige pH-Werte. Lanthankarbonat führt zu keinen reduzierten Serumspiegeln von Vitamin D oder anderen fettlöslichen Vitaminen.“

Sehr gutes Sicherheitsprofil

Die Ausscheidung des absorbierten Lanthans erfolgt zu 80 Prozent über die Galle. Der Nachweis von Lanthanum in Knochen und Leber ist nach dem derzeitigen Stand des Wissens nicht mit unerwünschten Nebenwirkungen assoziiert. „Unter Fosrenol® treten keine Aluminium-ähnlichen toxischen Erscheinungen auf“, so Damment. „Insgesamt besitzt die Substanz ein sehr gutes Sicherheitsprofil.“ Prof. Dr. Marc De Broe, Univ.-Klinik Antwerpen, Belgien, beschäftigte sich ausführlich mit dem Sicherheitsprofil von Lanthankarbonat. Studien mit Rattenmodellen haben gezeigt, dass es keinen direkten toxischen Effekt von Lanthankarbonat auf die Knochen gibt. Dies wurde auch in einer einjährigen klinischen Knochenbiopsie-Studie bestätigt, in der Fosrenol® mit Kalziumkarbonat verglichen wurde. Dabei wurde Lanthankarbonat mit einer niedrigeren Inzidenz der Erkrankung an adynamen Knochen assoziiert, ohne Entstehung eines Hyperparathyreoidismus. Langzeitdaten von Fosrenol® ergaben bei keinem Patienten Anzeichen einer Osteomalazie. In der Leber zeigt sich ein extrazellulärer und transzellulärer Transport von Lanthanum, jedoch keine intrazelluläre Deposition. Es gibt keinen bekannten Mechanismus für den Durchtritt von Lanthan durch die Blut-Hirn-Schranke. Im Rahmen von klinischen Studien konnte Prof. Dr. Hans-H. Neumayer, Medizinische Klinik für Nephrologie, Charité Campus Mitte, Berlin, bereits viel Erfahrung mit Fosrenol® sammeln. Seine Fallberichte bestätigen die hohe Effizienz und ausgezeichnete Verträglichkeit von Lanthankarbonat. „Die meisten Patienten benötigen nur eine Kautablette pro Mahlzeit, um die physiologischen Zielwerte zu erreichen“, betonte Neumayer die Vorteile für die Compliance. „Als kalziumfreier Phosphatbinder vermeidet Fosrenol® eine Kalziumüberladung und reduziert damit das Risiko kardiovaskulärer Kalzifizierungen.“

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