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Innere Medizin 14. Dezember 2005

Das Herz leidet bei Depressiven mit

Mit einer adäquaten antidepressiven Medikation und/oder psychotherapeutischen Behandlung soll kardiale Morbidität und Mortalität gesenkt werden.

Depressionen und kardiovaskuläre Erkrankungen treten häufig gemeinsam auf. Psychologischer Stress beeinflusst die elektrophysiologische Stabilität des Herzens. Mehrere Studien an depressiven Patienten haben einen erhöhten Kortisolspiegel in Plasma und Urin ergeben. Dies kann zu einem Ansteigen der Blutfette, zu Hypertonie, der Entwicklung von Insulinresistenz und einer Beeinflussung der Regenerationsfähigkeit des Endothels führen.

Erhöhte Herzfrequenz

„Es ist bewiesen, dass eine mit Depression assoziierte Veränderung des autonomen Nervensystems zu einer erhöhten Herzfrequenz und einer Verminderung der Herzfrequenzvariabilität führen kann“, sagte die Psychiaterin Dr. Brigitte Ratcliffe, Oberärztin am Donauklinikum, Standort Gugging, in ihrem Vortrag anlässlich der Jahrestagung der Österreichischen Gesellschaft für Hypertensiologie im Oktober in Wien. „Daraus ergibt sich eine erhöhte Anfälligkeit für Rhythmusstörungen, was ein gesicherter Risikofaktor für eine erhöhte kardiovaskuläre Mortalität bedeutet.“ Das Serotonin-System, das bei einer Depression verändert ist, sorgt zudem nicht nur im ZNS für Veränderungen, sondern auch für eine verstärkte Thrombozytenaggregation und führt zu einer Vasokonstriktion der Koronararterien.

Prävention verstärken

Der Zusammenhang zwischen Depression und kardiovaskulären Ereignissen erhöht die Wichtigkeit der Früherkennung und adäquaten medikamentösen und psychotherapeutischen Behandlung von depressiven Menschen. „Diagnostik und das verständnisvolle, stützende ärztliche Gespräch bilden die Grundlage jeder Depressionsbehandlung“, so Ratcliffe weiter. In Bezug auf die Depressionsbehandlung bei PatientInnen mit einer Herzerkrankung schlägt Ratcliffe Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRIs) vor: „Sie sind bei Herzkranken eine sinnvolle Alternative zu den bei komorbiden Koronarerkrankungen problematischen tri- und tetrazyklischen Antidepressiva.“ Die Auswahl des richtigen Medikaments sollte sich auch nach möglichen Wechselwirkungen mit Herz-Kreislaufmedikamenten, wie etwa Betablockern und Antikoagulantien richten. „Studien haben unter Therapie mit Fluoxetin und Paroxetin einen gering gradigen Rückgang der Herzfrequenz gezeigt“, hielt Ratcliffe fest. „Der Blutdruck blieb unbeeinflusst.“ Einen Nachteil für Fluoxetin sieht die Psychiaterin in der langen Halbwertszeit des aktiven Metaboliten Norfluoxetin von 14 Tagen. „Die Halbwertszeit der übrigen SSRI-Metaboliten liegt ungefähr bei einem Tag.“ Sertralin zeigte in mehreren Studien, neben der gewünschten antidepressiven Wirkung, keinerlei Einfluss auf Herzfrequenz, Erregungsleitung oder Blutdruck. Ratcliffe fasste zusammen, dass mehrere prospektive Studien eine erhöhte Herzinfarktrate oder Koronarsterblichkeit bei depressiven PatientInnen von zumindest 1,64 ergeben haben. „Dies bedeutet, dass, vor allem bei Patienten, die bereits einen Myocardinfarkt erlitten haben, das Augenmerk verstärkt auf eine depressive Erkrankung gerichtet werden sollte.“

Sabine Fisch, Ärzte Woche 32/2001

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