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Innere Medizin 5. Dezember 2005

Lärm erhöht Herzinfarkt-Risiko

Laut der weltweit größten Querschnittsstudie ruft chronischer Krach eine Stressantwort des Körpers hervor, die den Blutdruck und die Fettwerte in gefährliche Höhen treibt.

Menschen, die dauerndem Getöse ausgesetzt sind, haben nach einer Studie der Berliner Charité ein erhöhtes Risiko, einen Herzinfarkt zu erleiden. Allgemeiner Lärm, beispielsweise durch den Verkehr auf Straße oder Schiene, steigert bei Männern das Herzinfarkt-Risiko um 50 Prozent. Bei Frauen ist diese Gefahr sogar um 200 Prozent größer, teilte die Charité vorige Woche mit.
Einzelergebnisse der Studie, die die Charité in Zusammenarbeit mit dem deutschen Bundesumweltamt durchführte, hatte die Klinik bereits im vergangenen Jahr bekannt gegeben. Nun ist die Untersuchung in ihrer Gesamtheit in der Fachzeitschrift European Heart Journal (DOI: 10.1093/eurheartj/ehi658) erschienen.

An der Lärmstudie nahmen

zwischen 1998 und 2001 mehr als 4.000 Patienten aus 32 Berliner Krankenhäusern teil. 2.000 hatten einen akuten Herzinfarkt erlitten, die anderen gehörten zu Kontrollgruppen. Die Männer – rund drei Viertel der Teilnehmer – waren durchschnittlich 56, Frauen 58 Jahre alt. Die Untersuchung ist nach Charité-Angaben die weltweit größte Querschnittsstudie zu diesem Thema.
Eine mögliche Erklärung für den Zusammenhang zwischen chronischem Lärm und Herzerkrankungen sehen die Forscher in Stressfaktoren. Der Dauerkrach könne die physiologische Stressantwort des Körpers steigern. Dadurch erhöhe sich beispielsweise der Adrenalinspiegel, teilte die Klinik mit. Das wiederum könne den Blutdruck erhöhen und auch die Fettwerte im Blut ansteigen lassen. Rauchen oder Zeitdruck könnten das individuelle Herzinfarkt-Risiko dann weiter erhöhen. Auch am Arbeitsplatz stieg das Herzinfarkt-Risiko durch ständigen großen Lärm für Männer laut Studie um 30 Prozent. Daher empfehlen die Charité-Forscher die Grenze für einen Gehörschutz am Arbeitsplatz von derzeit 85 auf 65 bis 75 Dezibel herabzusetzen.

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