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Innere Medizin 30. November 2005

HIV-Infektion: So früh wie möglich diagnostizieren

Die junge Generation ist sich der Gefahr nicht bewusst, und „safer sex“ ist auch unter HIV-Positiven nicht mehr die Regel: Die Ansteckungsrate steigt.

„Die Zahl der Neuinfektionen steigt weiterhin an“, sagte Dr. Brigitte Schmied, Oberärztin an der 2. Internen Lungenabteilung des SMZ Baumgartner Höhe in Wien und Präsidentin der Österreichischen Aidsgesellschaft, bei einer Pressekonferenz vergangene Woche in Wien. Freilich ist die Pävalenz in Mittel- und Westeuropa bei weitem nicht so dramatisch hoch wie in Asien, Afrika oder neuerdings in Osteuropa. Aber es zeige sich eine gewisse Sorglosigkeit sowohl unter Infizierten als auch in der gesunden Bevölkerung. Die junge Generation hat von den Aufklärungs- und Präventionskampagnen der späten achtziger Jahre nichts mitbekommen. Auch habe sich, wie der HIV-positive Mag. Matthias Herrmann betonte, eine falsche Sicherheit breit gemacht, die Immunschwächekrankheit sei durch die seit 1996 angewandte Kombinationstherapie „so harmlos wie Diabetes“ (Herrmann).

Gefahr für den Sexualpartner

Als Alarmsignal wertete Schmied, dass in der Hälfte der Fälle die Ansteckung erst dann diagnostiziert wird, wenn die Zahl der CD4-Zellen, jener Immunzellen, die vom HI-Virus attackiert werden, bereits auf 200 pro Mikroliter Blut gesunken ist. Das Immunsystem ist dann schon arg beeinträchtigt. Bei einem Drittel wird die Infektion überhaupt erst festgestellt, wenn bereits Krankheiten auftreten, die Aids definieren: Lungenentzündung oder Tuberkulose, die für die Immungeschwächten tödlich sein können. Die Konsequenz der späten Diagnose hat nicht nur für die Betroffenen fatale Folgen, weil sie zu diesem Zeitpunkt auf die Therapie weniger gut ansprechen und ihre Prognose damit schlechter ist. Wer keine Kenntnis davon hat, dass er das HI-Virus in sich trägt, gefährdet seine Sexualpartner.
Es gelte daher, die HIV-Infektion so früh wie möglich zu diagnostizieren, so OA Dr. Armin Rieger, Leiter der HIV-Ambulanz am Wiener AKH. Das derzeit gängige Testsystem spürt die Antikörper auf, die das Immunsystem gegen das Virus bildet – das braucht jedoch eine Weile. Erst wenn der Test drei Monate nach dem vermuteten Ansteckungszeitpunkt negativ ist, kann Entwarnung gegeben werden. Gerade in dieser Frühphase sind die Infizierten aber besonders ansteckend. Mit Hilfe eines neuen Kombinationstests, der bereits von etlichen Labors angeboten wird, können jedoch auch Virus-Antigene nachgewiesen werden, und zwar schon zehn Tage nach der Infektion. In den USA wurde unlängst ein Schnell-Selbsttest zugelassen, der in Drugstores verkauft wird. Allerdings basiert auch dieser Test nur auf dem Nachweis von Antikörpern. Zudem sei es laut Schmied fraglich, ob es sinnvoll ist, Menschen mit der Konfrontation der Tatsache „HIV-positiv“ ohne jede Beratung allein zu lassen. In Österreich wird sich der Oberste Sanitätsrat im Dezember mit der Frage befassen, ob ein solcher Test auch hier zu Lande auf den Markt kommen soll. Um eine Infektion so früh wie möglich festzustellen, mahnt Rieger niedergelassene Ärzte zur Wachsamkeit: 90 Prozent der Betroffenen verspüren rund drei Wochen nach der Infektion Symptome, 80 Prozent gehen deswegen zum Arzt. „Jedem, der mit einer febrilen Erkrankung mit Lymphknotenschwellung und offenen Stellen im Mund kommt, sollte ein Test nahe gelegt werden“, so Rieger.

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