zur Navigation zum Inhalt
 
Innere Medizin 10. November 2005

Influenza ante portas

Die Influenza steht vor Österreichs Toren. Bis zu 6.000 Menschenleben kann eine
normale Grippewelle in einer einzigen Saison fordern, warnte jüngst die ARGE
Influenza. Neurominidase-Hemmer können auch dann noch helfen, wenn die ersten Symptome schon da sind. Vorausgesetzt, die Behandlung beginnt rechtzeitig.

Plötzliche Erkrankung, hohes Fieber und Schüttelfrost. Wenn die Influenza bereits in der Region ist, steht für den Hausarzt die Diagnose zumeist sehr schnell fest: „Grippe“. Einmal von ihr erwischt, fesselt sie den Patienten ein bis zwei Wochen ans Bett.
Das Spektrum der möglichen Komplikationen ist groß, die Mortalität besonders bei älteren Menschen hoch. Als weitere Risikofaktoren, neben dem Alter, gelten respiratorische Erkrankungen, Herz- oder Niereninsuffizienz, Diabetes, Immunsuppression und Nikotinabusus.
Mit Oseltamivir (Tamiflu®) steht seit vergangem Jahr in Österreich ein Neuraminidase-Hemmer zur Verfügung, der den Krankheitsverlauf relevant verkürzen kann. Die Behandlung muss jedoch sehr rasch, spätestens binnen 48 Stunden, eingeleitet werden.
„Bei einem Therapiebeginn innerhalb von 12 Stunden nach Symptombeginn verkürzt sich die Krankheitsdauer um 3,1 Tage“, sagt Prof. Dr. Christoph Wenisch vom Klinikum für Innere Medizin I der Uniklinik Graz. Wird Oseltamivir 48 Stunden nach Symptombeginn (Schüttelfrost) gegeben, so kann der Patient immerhin noch 1,5 bis zwei Tage früher das Bett verlassen. Das spart Krankenstandstage und auch Kosten im Gesundheitssystem, betont Wenisch.
Kaiser et al. wiesen nach, dass der Antibiotikabedarf durch die Behandlung mit Oseltamivir um 27 Prozent reduziert werden konnte. Die infektiösen Komplikationen der unteren Atemwege, die einer Antibiotikatherapie bedurften, konnten um 55 Prozent, Spitalseinweisungen um 59 Prozent gesenkt werden.
Eine andere Studie (Treanor et al.) zeigt, dass die Intensität der Symptomatik um 40 Prozent und die Gefahr von Sekundärkomplikationen um 43 Prozent reduziert wird (s. Grafik). Die Weiterverbreitung der Influenza wird durch die Behandlung bereits Erkrankter unterbunden. „Patienten mit Grippe sollten vorzugsweise ambulant behandelt werden“, sagte Wenisch. Eine Spitalsaufnahme sei nur bei Komplikationen angezeigt. Neuraminidase-Hemmer wie Oseltamivir sind sowohl gegenüber allen neuen Influenza A- NA-Subtypen als auch gegenüber Influenza B-Viren wirksam. Die Gabe erfolgt zu den Mahlzeiten (zweimal 75 mg) für fünf Tage.

Studien bescheinigen gute Verträglichkeit

Die Studien bescheinigen Tamiflu® eine gute Verträglichkeit. In seltenen Fällen traten Kopfschmerzen, Übelkeit und Erbrechen auf. Oseltamivir ist auch für Kinder ab dem vollendeten 1. Lebensjahr zugelassen. Es steht auch eine Suspension (zweimal 30-75 mg/Tag) zur Verfügung.
„Wenn Influenza in der Region ist, soll eine Therapie mit Neuraminidase-Hemmern nicht nur „Nichtgeimpften“ oder Risikopatienten, sondern allen Influenzapatienten zur Verfügung gestellt werden“, meinte Wenisch. Tamiflu® ist nicht kassenfrei. Wie bereits im vergangenen Jahr haben aber die Krankenkassen in den meisten Bundesländern (nicht in Wien) angekündigt, in der Periode der Grippewelle eine freie Verschreibung (Ind.-Regel) zuzulassen.

Quelle: Roche-Journalistenseminar,
22. November 2003, Bad Blumau

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben