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Innere Medizin 9. November 2005

Schwangere rechtzeitig gegen Influenza impfen

Gravide erkranken, verglichen mit nicht schwangeren Frauen, schwerer an Influenza und in der zweiten Schwangerschaftshälfte steigt die Mortalität.

Je später in der Schwangerschaft eine Influenzainfektion erworben wird, desto größer ist die Gefahr einer Komplikation, die einen Spitalsaufenthalt notwendig macht. Hinzu kommt, dass in der Gravidität die Verabreichung von Medikamenten oft bedenklich ist.

Tödliche Influenza A-Infektion

Wie tragisch eine Influenzainfektion in der Schwangerschaft ablaufen kann, zeigt Dr. Eva Geringer, Institut für Virologie der Universität Wien, in der Virusepidemiologischen Information 11/05 anhand eines Fallberichts: Eine 33-jährige Schwangere verbrachte vergangenen Winter drei Monate in ihrer Heimat Manila bei ihrer Familie, ehe sie in der 33. Schwangerschaftswoche nach Österreich zurückkehrt. Elf Tage nach ihrer Rückkehr erkrankt sie an Husten und Halsschmerzen und fiebert bis 39°C. Am zweiten Erkrankungstag erfolgt die stationäre Aufnahme. Noch am Aufnahmetag entwickelt die Patientin ein ARDS (adult respiratory distress syndrome). Wegen vorzeitiger Wehen wird sectioniert (35. SSW). Der Zustand der Patientin verschlechtert sich jedoch weiterhin dramatisch. Das Lungenversagen wird begleitet von disseminierter intravasaler Gerinnung und einem sich abzeichnenden Multiorganversagen.
In der Intensivstation wird eine sehr breite virologische und bakteriologische Diagnostik betrieben, sogar SARS (severe acute respiratory syndrome) und Vogelgrippe werden ausgeschlossen. Mittels PCR (Polymerase chain reaction) kann jedoch eine Influenza A- Infektion mit dem Subtyp H1N1 nachgewiesen werden. Weiters wird ein oxacillinresistenter Staphylococcus aureus im Bronchialsekret detektiert.
Dieser könnte bereits in Manila durch den täglichen Kontakt mit den im Spital tätigen Familienmitgliedern erworben worden sein. Trotz stärkster Bemühungen verstirbt die Patientin knapp zwei Wochen nach Auftreten der ersten Symptome unter dem klinischen Bild eines Toxic Shock Syndrome. Das Neugeborene ist gesund.

Mutter und Kind geschützt

„Das Hospitalisierungsrisiko einer immunkompetenten Schwangeren bei einer Influenzainfektion entspricht dem einer gleichaltrigen chronisch kranken Frau. Durch die Impfung können rund zwei Spitalsaufenthalte pro 1.000 Schwangere verhindert werden“, sagt Geringer. Im Österreichischen Impfplan wird die Influenzaimpfung als gut verträgliche Totimpfung für Schwangere im zweiten und dritten Trimenon vor und gegebenenfalls auch noch während der Influenzasaison ausdrücklich empfohlen. Durch die Impfung wird nicht nur die werdende Mutter geschützt, sondern auch das Neugeborene durch den transplazentaren Transfer von vakzinspezifischen IgG-Antikörpern.

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