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Innere Medizin 9. November 2005

Der Legionärskrankheit wird der Hahn zugedreht

Jedes Jahr werden in Österreich zwischen 51 und 59 Fälle von Legionellose diagnostiziert. Im Schnitt sterben sechs bis acht der Erkrankten.

2004 wurde bei 14 Touristen mit Legionärskrankheit ein österreichischer Beherbergungsbetrieb als die wahrscheinliche Infektionsquelle identifiziert, wobei sieben Inländer und sieben Ausländer betroffen waren, unter denen es insgesamt drei Todesfälle gab. In vielen Fällen ziehen sich die betroffenen Personen diese, durch das Bakterium Legionella pneumophila verursachte, schwere Lungenentzündung während eines Urlaubs zu: „Insgesamt infiziert sich ein Viertel aller Betroffenen während einer Reise“, sagte Prof. Dr. Franz Allerberger, Bereichsleiter Humanmedizin an der AGES, der Österreichischen Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit, anlässlich der Präsentation der Leitlinie „Kontrolle und Prävention der reiseassoziierten Legionärskrankheit“, Ende Juni. Diese Broschüre, verfasst von Experten der AGES in Zusammenarbeit mit dem Bundesministerium für Gesundheit und Frauen (BMGF), stellt konkrete Anleitungen zur Risiko­minimierung zur Verfügung.

Gefahr aus dem Duschkopf

Während sich die überwiegende Zahl der betroffenen Österreicher im Ausland ansteckt, werden in anderen Staaten aber auch immer wieder Legionella-Infektionen auf Aufenthalte in Österreich zurückgeführt. Obwohl für die Behandlung wirksame Antibiotika zur Verfügung stehen und bis dato keine resistenten Erreger nachgewiesen werden konnten, ist die Sterblichkeitsrate vergleichsweise hoch. „Die wichtigste Maßnahme im Kampf gegen diese Infektionskrankheit ist daher die Prävention“, sagt Allerberger. Legionellen sind Bakterien, die im Grund- und im Oberflächenwasser vorkommen. Sie besiedeln aber auch jegliche Form von künstlichen Wassersystemen. Und hierin besteht die Gefahr: Verursacht wird die Legionärskrankheit durch das Einatmen von feinsten Wassertröpfchen, in denen Legionellen enthalten sind – z.B. unter der Dusche.

Männer öfter betroffen

Personen mit geschwächtem Immunsystem, mit chronischen Lungenerkrankungen und Raucher haben ein erhöhtes Infektionsrisiko. Die Wahrscheinlichkeit einer Erkrankung steigt ab einem Alter von 30 Jahren, wobei Männer gefährdeter sind als Frauen. Besonderes Augenmerk wird in der Leitlinie auf die Wassererwärmungsanlagen gelegt: Beschrieben werden unter anderem die notwendigen Wassertemperaturen, Kontrollmaßnahmen oder Maßnahmen bei Neuinstallationen, um nur einige zu nennen. Seit der Entdeckung der Legionärskrankheit im Jahr 1976 wurden in vielen Ländern Überwachungssysteme für Legionella-Infektionen eingerichtet. In Österreich ist am AGES-Institut für medizinische Mikrobiologie und Hygiene Wien, gleichzeitig Sitz der nationalen Referenzzentrale für Legionellen, seit über 15 Jahren ein nationales Melde- und Überwachungssystem für LegionellaInfektionen etabliert. Seit 2001 ist jeder Verdachts-, Erkrankungs- und Todesfall nach dem Epidemiegesetz meldepflichtig. Die Referenzzentrale ist darüber hinaus in ein europäisches Überwachungssystem eingebunden.

Die Leitlinie kann bei der AGES bezogen werden: Institut für medizinische Mikrobiologie und
Hygiene. Tel. (01)405 15 57-0, Fax (01)402 39 00,
E-Mail:

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