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Innere Medizin 9. November 2005

Zu wenig Hypertoniedaten in Österreich

Die Hypertonie zählt weltweit zu den häufigsten Risikofaktoren für erhöhte Mortalität und Behinderung. Es wird davon ausgegangen, dass über ein Viertel der Bevölkerung in Österreich einen erhöhten Blutdruck hat, jedoch fast die Hälfte nichts davon weiß. Eine groß angelegte Anwendungsbeobachtung soll helfen, diese alarmierende Situation zu verändern.

Die Hypertonie stellt ein wesentliches Gesundheitsproblem der westlichen Welt mit einer Prävalenz von etwa 20 Prozent der erwachsenen Bevölkerung dar. Weltweit haben eine Reihe von Studien, wie die Framingham Studie, die Canadian Heart Health Survey oder die National Health and Nutrition Examination Surveys die Trends der Hypertonieprävalenz beobachtet und konnten somit zum Verständnis des Bluthochdrucks beitragen. Prof. Dr. Anita Rieder, Institut für Sozialmedizin der Medizinischen Universität Wien und Mitglied der LIIFE in LIFE Arbeitsgruppe: „In Österreich ist die momentane Situation alarmierend. Es wird vermutet, dass fast die Hälfte der Betroffenen gar nicht weiß, dass sie unter erhöhtem Blutdruck leidet. Ein Drittel aller Hochdruckpatienten werden therapiert, jedoch erreichen nur zehn Prozent unter Behandlung einen normalen Blutdruck.“

Hypertoniebewusstsein auch unter den Ärzten gering

Auch das Blutdruckbewusstsein der Ärzte scheint sich nur gering von jenem der Gesamtbevölkerung zu unterscheiden. Einer Feldstudie zufolge stehen etwa ein Drittel aller Ärzte mit erhöhtem Blutdruck nicht in Behandlung. (Rieder A, Journal of Human Hypertension (2004) 0, 1-3) In Österreich gibt es zur Zeit keine Hypertoniedaten aus groß angelegten Studien. Die heute vorhandenen Informationen beziehen sich in erster Linie auf Feldstudien oder Untersuchungen aus regionalen Gebieten, zum Beispiel der CINDI-Studie der WHO aus Vorarlberg.
Rieder: „Es fehlen vor allem Erkenntnisse aus breiten, repräsentativen Bevölkerungsschichten, wie sie in der täglichen Praxis des niedergelassenen Arztes zu finden sind.“ Mit Hilfe des LIIFE in LIFE Projektes sollen nun erstmals auch in Österreich wichtige medizinische und epidemiologische Daten zur Prävalenz, Risikoverteilung, -entwicklung und Compliance anhand einer repräsentativen Patientenzahl und über einen längeren Beobachtungszeitraum erhoben werden. Prof. Dr. Bernd Eber, Studienkoordinator, Vorstand der II. Internen Abteilung mit Kardiologie und Intensivstation, Klinikum Kreuzschwestern Wels: „Ein österreichisches Expertenteam verschiedenster Fachgebiete will gemeinsam mit ausgewählten niedergelassenen Allgemeinmedizinern und Internisten die Landmark-Studie ‚LIFE’ (Losartan Intervention For Endpoint Reduction in Hypertension Study) in die tägliche Praxis umzusetzen.“ In dieser multizentrischen, randomisiert, doppelblind, prospektiven Studie an 9.193 Patienten konnte unter Losartan nicht nur der Blutdruck reduziert, sondern im Vergleich zu einer antihypertensiven Standardtherapie das Schlaganfallrisiko um weitere 25 Prozent gesenkt werden.

Ergebnisse der LIFE-Studie in die Praxis umsetzen

Bei LIIFE in LIFE handelt es sich um die bisher größte Anwendungsbeobachtung in der antihypertensiven Therapie, die von namhaften Experten des Landes getragen wird und demnächst startet. Es ist geplant, 20.000 Hypertoniker zu inkludieren, die mit Losartan (Cosaar®) und einer allfälligen weiteren antihypertensiven Therapie behandelt und über einen Zeitraum von zumindest zwei Jahren beobachtet werden.

Ziel dieser AWB ist es, erstmals epidemiologische Daten zu folgenden Fragen zu gewinnen:

  • Was sind die größten Risikofaktoren für den Schlaganfall in Österreich?
  • Gibt es regionale Unterschiede?
  • Wie groß ist das Risiko, in Österreich einen Schlaganfall zu erleiden?

Quelle: Präsentation von LIIFE in LIFE am
5. Mai 2004, Hotel Le Meridien, Wien

Projektzentrum LIIFE in LIFE: Cardio Wels, Elisabethstraße 66, 4600 Wels, Tel.: 0676/ 4452860, Fax: 07242/415-3992;
e-mail:

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