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Innere Medizin 4. November 2005

Vitiendiagnostik mittels Stress-Echokardiographie

Die Stress-Echokardiographie erlangt zunehmend für die Diagnostik und Einschätzung der klinischen Relevanz bei Herzklappenfehlern Bedeutung.

Der Stellenwert der Stress-Echokardiographie wurde beim 2. Leipziger Echokardiographie-Symposium diskutiert. Was wird bei einer Stress-Echokardiographie gemacht, und was kann beurteilt werden? Traditionell werden Patienten auf einem Fahrrad-Ergometer belastet. Bei Stress-Echokardiographien wird ein Liegefahrrad verwendet, das in Linksseitenlage gebracht werden kann. Es kann jedoch auch eine Dobutamin-Stress-Echokardio­graphie gemacht werden. Dafür wird Dobutamin in steigender Dosierung intravenös infundiert. Begonnen wird mit 5 µg Dobutamin pro Kilogramm und Minute, dann wird in dreiminütigen Intervallen auf 10, 15 und 20 µg/kg/min gesteigert. Während der Untersuchung wird kontinuierlich das EKG abgeleitet und der Blutdruck kontrolliert. Abbruchkriterien sind etwa Rhythmusstörungen, Dyspnoe sowie ein systolischer Blutdruckabfall von 10 bis 20 mmHg.

Befunde zur weiteren Therapieplanung wichtig

In der Vitiendiagnostik ist die Stress-Echokardiographie vor allem für die Diagnose einer „low flow-low gradient“-Aortenstenose wichtig, wie Dr. Raphael Rosenhek von der Medizinischen Universität Wien sagte. Bei dieser Art der Aortenstenose besteht ein niedriger Druckgradient über der Aortenklappe bei gleichzeitig kleiner Aortenöffnungsfläche. Mit Hilfe der Stress-Echokardiographie kann auch eine wahre Aortenstenose von einer pseudoschweren Aortenstenose unterschieden werden. Bei der wahren Aortenstenose kommt es unter Belastung zu einem Anstieg des Druckgradienten ohne signifikante Änderung der Öffnungsfläche der Aortenklappe. Bei der pseudo- schweren Aortenstenose nimmt die Öffnungsfläche zu, der Druckgradient steigt aber nur gering. Diese Befunde sind zur weiteren Therapieplanung wichtig.

Einsatz auch bei der Mitralklappeninsuffizienz

Auch bei einer geringen bis mittelgradigen Mitralklappeninsuffizienz sollte eine Stress-Echokardio­graphie gemacht werden, wenn die klinische Bedeutung des Klappenfehlers unklar sei, betonte Privatdozent Dr. Thomas Buck vom Westdeutschen Herzzentrum in Essen. Eine aktuelle Studie belege, dass unter Belastung bei 30 Prozent der Patienten eine funktionelle Mitralinsuffizienz um einen Schweregrad zunimmt im Vergleich zum Ruhezustand. Außerdem kann bei der Untersuchung beurteilt werden, welcher Mechanismus der Mitralinsuffizienz zugrunde liegt und danach ein geeignetes Operationsverfahren gewählt werden. Auch bei Aorteninsuffizienz hilft eine Echokardiographie unter Belastung bei der Entscheidung, welche Therapie optimal ist, wie Privatdozent Dr. Heyder Omran vom Marien-Hospital in Bonn erklärte. Die Untersuchung sollte gemacht werden, wenn die Pumpfunktion des linken Ventrikels in Ruhe normal ist. Ist die Auswurfleistung unter Belastung vermindert oder der linke Ventrikel vergrößert, muss operiert werden. Andernfalls sollten Betroffene mit ACE-Hemmern oder Ca-Antagonisten therapiert werden, sagte Omran. Klinische und echokardiographische Kontrollen müssten halbjährlich erfolgen, um eine Verschlechterung der Herzfunktionen zu erkennen.

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