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Innere Medizin 4. November 2005

Frauenherzen im Mittelpunkt

Ein Schwerpunkt-Thema des Europäischen Kardiologen-Kongresses beschäftigte sich mit der Frage, ob Frauen heute ebenso State of the Art behandelt werden wie Männer.

Frauen mit Herzerkrankungen erhalten nach wie vor weniger Diagnostik und Therapie und haben insgesamt eine schlechtere Prognose. Wird zum Beispiel bei Patientinnen mit Brustschmerzen eine KHK diagnostiziert, sterben innerhalb eines Jahres doppelt so viele im Vergleich zu Männern mit entsprechenden Symptomen – und zwar unabhängig vom Alter oder anderen Begleiterkrankungen wie Diabetes oder Herzinsuffizienz. Am Beispiel KHK werden die Unterschiede schon zu Beginn der Diagnostik deutlich, hieß es auf dem Kongress. „Dass Patientinnen bei entsprechenden Beschwerden eine um 20 Prozent geringere Chance für ein Belastungs-EKG zur weiteren Diagnostik haben als Patienten, ist ein Ergebnis des Euro Heart Survey of Stable Angina, bei dem die Daten von knapp 3.800 Patienten ausgewertet wurden, die wegen einer stabilen Angina bei Kardiologen in Behandlung waren“, erklärt Prof. Dr. Gerald Maurer, Klinische Abteilung für Kardiologie, Universitätsklinik für Innere Medizin II, Medizinische Universität Wien.

Auch die Wahrscheinlichkeit

einer Herzkatheter-Untersuchung sei bei Frauen um 40 Prozent geringer als bei Männern, bemerkten die Kardiologen. Maurer: „Die Wahrscheinlichkeit, ein ASS zu erhalten, liegt nach den präsentierten Umfrageergebnissen bei Männern bei 84 Prozent, bei Frauen nur bei 73 Prozent, die Werte für einen Lipidsenker liegen bei 47 Prozent für Frauen und 53 Prozent für Männer.“ Eine Ursache für diese therapeutischen Unterschiede vermuten die Experten darin, dass Frauen seltener Koronarstenosen haben. Dies konnte in der Studie bestätigt werden: 37 Prozent der Frauen hatten in der Angiographie keine signifikanten Verengungen der Koronarien, bei den Männern waren es nur 13 Prozent. „Manche Ergebnisse, die auf dem ESC-Kongress präsentiert wurden, unterstreichen, dass in der Kardiologie Geschlechtersensibilität gefragt ist“, so Maurer.

Quelle: B&K; Bettschart & Kofler, Medien- und Kommunikationsberatung

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