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Innere Medizin 4. November 2005

Telemedizin-Preis für österreichische Studie

Die European Society of Cardiology prämierte die Zwischenergebnisse einer Multicenterstudie mit Patienten mit chronischer Herzinsuffizienz.

An der auf dem Kardiologen-Kongress in Stockholm mit dem ersten Preis für die beste Arbeit im Bereich Telemedizin ausgezeichneten Studie sind neben der Forschungsgruppe eHealth systems der ARC Seibersdorf research GmbH  die Klinische Abteilung für Kardiologie der Medizinischen Universität Graz und acht weitere österreichische Krankenanstalten beteiligt.  Werden Patienten mit chronischer Herzschwäche und kardialer Dekompensation nach stationärer Behandlung wieder in häusliche Pflege entlassen, so wird nach aktuellen Zahlen jeder zweite bis dritte Patient innerhalb von sechs Monaten aufgrund einer Verschlimmerung seines Leidens wieder stationär aufgenommen. Im Zuge der laufenden Studie wird untersucht, ob durch telemedizinische Unterstützung die Wiederaufnahmerate gesenkt werden kann.
Die in Stockholm von Dr. Daniel Scherr von der Medizinischen Universität Graz präsentierten Zwischenergebnisse zeigen, dass sich der kardiale Zustand der Patienten nach sechsmonatiger telemedizinischer Betreuung signifikant verbessert. Neben einer Intensivierung des Kontaktes zwischen Arzt und Patient wird die Therapiequalität gesteigert und Langzeitfolgen werden vermindert.

Weiterentwicklung der Infrastruktur

Durch den laufenden Aufbau der eHealth-Infrastruktur werden bald völlig neue Kommunikationsmöglichkeiten im Gesundheitswesen möglich sein. Telemedizinische Anwendungen, bisher oft auf klinische Forschungsprojekte beschränkt, werden auch für niedergelassene Ärzte zugänglich sein. Mittels flächendeckender Breitband-Internet-Anbindung und mobilfunkbasierter Datenübertragung ergeben sich auch für die betroffenen Patienten neue Möglichkeiten, bei der Behandlung chronischer Erkrankungen aktiv mitzuwirken. Durch regelmäßige Erfassung von Gesundheitsparametern wie Blutdruck oder Körpergewicht durch den Patienten zu Hause können Qualität und Effizienz der Therapie auf ein neues Niveau gehoben werden.
Dabei geht es keinesfalls darum, den wichtigen, persönlichen Kontakt zwischen Arzt und Patient zu ersetzen, vielmehr soll dem Arzt wichtige, zusätzliche Information aus dem täglichen Leben des Patienten zur Verfügung gestellt werden. Damit kann beispielsweise die Frage: „Bringen die verordneten Medikamente auch den gewünschten therapeutischen Erfolg?“ auf der Basis von soliden Daten beantwortet und die Medikation gegebenenfalls angepasst werden. Vitalparameter und Symptome können Patienten auf eine denkbar einfache, flexible und kostengünstige Art eingeben – mit Mobiltelefonen übermitteln sie ihre Werte an die Telemedizinzentrale. Hierfür wurden bereits verschiedene Methoden entwickelt – von der Eingabe über die Tastatur bis hin zu vollautomatischen Systemen. Die Daten werden sicher übertragen und zu einer Verlaufsdarstellung zusammengefasst.
Eine automatische Überwachung von Grenzwerten erlaubt es – bei Bedarf – den zuständigen Arzt auf besondere Trends via E-Mail oder SMS hinzuweisen. Die prämierte Studie wird von Novartis Pharma, Roche Austria und mobilkom austria unterstützt.

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