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Innere Medizin 27. Oktober 2005

Kompetente Zentren bringen besseren Krankheitsverlauf

"Entscheidende Faktoren bei der Behandlung sind die Qualität des Krankenhauses und die Erfahrung des Ärzteteams", erklärte Prof. Dr. Michael Gnant, Universitätsklinik für Chirurgie, AKH Wien. Frauen mit Brustkrebs sollten sich also nur in einem Spital behandeln lassen, das sich intensiv mit dieser Krebserkrankung beschäftigt. Auch die Einholung einer Zweit- oder Drittmeinung sei anzuraten. Im Wiener AKH beispielsweise geschehe dies routinemäßig.

Besonders zu empfehlen seien Schwerpunktspitäler mit einer eigenen Brustambulanz, in denen es auch zu einem interdisziplinären Austausch zwischen der Röntgenabteilung, der Pathologie und dem Chirurgenteam kommt.

"In Spitälern, die nicht diesen hohen Standards unterliegen, ist die Zahl der brusterhaltenden Operationen weit geringer. Dort liegt die Quote oft unter der Hälfte jener der Top-Spitäler", bedauerte Gnant.

Frauen, die in kompetenten Zentren behandelt werden, haben auch einen besseren Krankheitsverlauf. Wie große europäische Untersuchungen zeigen, betrug das neuerliche Auftreten von Brustkrebs nach einer erfolgten Operation in einigen Zentren 30 Prozent, in anderen aber nur drei Prozent. Und die Studienergebnisse gehen sogar noch weiter: Wird eine Operation von Spezialisten durchgeführt, steigt auch im fortgeschrittenen Karzinomstadium die Überlebensrate um 10 Prozent. Generell zeigen diese Ergebnisse, dass mit steigender Anzahl der durchgeführten Operationen ein wesentlicher Kompetenzzuwachs beim operierenden Ärzteteam gegeben ist. In Österreich liegt die Schwankungsbreite in vielen Spitälern pro Jahr und Arzt zwischen fünf und 200 Operationen.

Die ABC-Studiengruppe vermittelt im Rahmen von Fortbildungen und Operationskursen die Technik der brusterhaltenden Operationen. Diese Technik wurde standardisiert und wird in all jenen Zentren umgesetzt, die in die Studiengruppe eingebunden sind. Bereits 72 Spitalsabteilungen erfüllen diese Qualitätskriterien. Zu den führenden Kompetenzzentren zählen unter anderem das Wiener AKH, die Onkologie der Universitätsklinik Graz und die onkologische Abteilung der Landeskrankenanstalt Salzburg. "Aber auch in anderen Bundesländern sind zahlreiche Kliniken und Abteilungen in die Studien der ABC-Studiengruppe eingebunden", so Jakesz. "Die Teilnahme an diesen Studien oder die Behandlungen in Krankenhäusern, die der Studiengruppe angehören, garantiert hohe Qualität."

In Österreich sind 30 Prozent aller an Brustkrebs erkrankten Frauen in klinische Studien eingebunden. Das ist ein Prozentsatz, der in kaum einem anderen Land erreicht wird. Mit 7.500 Patientinnen ist diese Studiengruppe eine der weltweit größten.

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