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Innere Medizin 27. Oktober 2005

Brusterhaltung: Frage der Spitalswahl

Was viele Laien bisher zwar ahnten, aber nicht beweisen konnten, haben nun heimische Spitzenmediziner öffentlich bestätigt: Die Qualität einer Behandlung und die Prognose danach hängt maßgeblich von den behandelnden Ärzten ab. Stattgefunden hat dieses "Outing" am konkreten Beispiel Brustkrebsbehandlung auf einer Pressekonferenz der Austrian Breast Cancer Study Group (ABCSG) Mitte Februar in Wien.

Zentrale Botschaft der drei anwesenden Chirurgen: In einzelnen österreichischen Spitälern kommt es nach wie vor zu Brustamputationen, die nicht sein müssten. Dass die neuesten medizinischen Errungenschaften nicht überall zur Anwendung kommen, ist umso bedauerlicher, als Österreich in der Brustkrebsbehandlung zu den weltweit führenden Ländern zählt. So erreichen die bei der interdisziplinären ABCSG mitwirkenden Spitäler bei Patientinnen in einem Tumorstadium ohne Beteiligung der Lymphknoten derzeit österreichweit eine Brusterhaltungsrate von 85 Prozent. Diese ausgezeichneten Ergebnisse durften Experten der ABCSG Ende Februar erstmals auch auf der renommierten "7. Internationalen Brustkrebstagung" präsentieren.

Österreich ist Weltspitze

"Die Rate an brusterhaltenden Operationen hat sich in Österreich in den vergangenen 15 Jahren verdreifacht. Damit liegen wir mehr als doppelt so gut wie die USA, die bis dato in der Brustkrebsbehandlung als führend galt", betonte Prof. Raimund Jakesz, Leiter der Klinischen Abteilung für Allgemeinchirurgie, AKH Wien.

Auch bei Patientinnen mit fortgeschrittenen Tumoren kann dank der modernen Methoden der Qualitätskontrolle eine äußerst positive Tendenz verzeichnet werden. Durch die Weiterentwicklung der präoperativen Chemotherapie können die in der ABCSG eingebundenen Zentren in 80 Prozent aller Fälle eine Reduktion des Tumors um 50 Prozent erreichen, sodass auch diesen Frauen eine brusterhaltende Operation angeboten werden kann.

Durch Radikal-Op keine Prognoseverbesserung

Auch dass bei brusterhaltenden Operationen das Risiko eines Rückfalls nicht höher ist als bei radikalen Eingriffen, ist längst durch wissenschaftliche Untersuchungen belegt. "Erfahrungen aus den 60er-Jahren, als in den USA superradikal operiert wurde, haben uns gezeigt, dass dadurch Zweitoperationen nicht weniger häufig auftreten als bei brusterhaltenden Operationen. Radikale Maßnahmen sind deshalb nur mehr in 10 bis 20 Prozent aller Fälle notwendig", erklärte Prof. Dr. Michael Stierer, Abteilung Allgemeinchirurgie, Hanusch-Krankenhaus, Wien.

Der Chirurg wies auch auf die Fortschritte in der Früherkennung hin. So ist mit einem neuen Spezialgerät, dem ABBI-System (Advanced Breast Biopsy Instrumentation) die Diagnose so gut wie immer sicher. Stierer: "Bei diesem Verfahren werden Gewebsmengen in lokaler Betäubung zur Diagnose entnommen. Der notwendige Hautschnitt ist klein und hinterlässt keine Narben."

Ärztliche Empfehlung ist entscheidend

Wesentliche Faktoren, die die jeweilige Brusterhaltung beeinflussen, sind Patientenalter, sozioökonomischer Status und Alter der Patientin, Region (Kleinstadt, ländliche Region, keine Krebszentren), Ärzteausbildung und Spitalsgröße. Letztendlich entscheidender Faktor sind die Empfehlungen des Behandlers bzw. des Vertrauensarztes. Dementsprechend könnten bei entsprechender Aufklärung durch ihre Haus- und Fachärzte alle Brustkrebspatientinnen in ganz Österreich von den neuesten medizinischen Errungenschaften profitieren.

Dr. Monika Steinmaßl-Wirrer, Ärzte Woche 12/2001

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