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Innere Medizin 27. Oktober 2005

Die „andere“ Hormonersatztherapie

Ziel der multizentrischen Studie Liberate ist es, auch Frauen nach Brustkrebs die Möglichkeit einer Linderung menopausaler Beschwerden zu ermöglichen.

Liberate (Livial Intervention following Breast cancer Efficacy, Recurrence And Tolerability Endpoints) umfasst weltweit mehr als 2.200 Frauen. Konventionelle Postmenopausale Hormontherapien (HT) sind bei Frauen nach Brustkrebs kontraindiziert. Für diese Frauen gibt es daher keine anerkannten Behandlungsmöglichkeiten, um belastende Symptome zu lindern. Die Rekrutierung für die multizentrische Studie begann im Jahr 2002. Es ist geplant, dass mehr als 2.600 Patientinnen teilnehmen. Erste Ergebnisse werden für Juli 2006 erwartet.

Verlässliche Aussagen

Prof. Dr. Ernst Kubista, Vorstand der Klin. Abteilung für Spezielle Gynäkologie an der Univ.-Frauenklinik Wien: „260 klinische Zentren nehmen weltweit an Liberate teil. Die Studie wird bis Jahresende erfolgreich beendet werden und Auskunft über die Wirksamkeit von Tibolon bei Brustkrebspatientinnen mit Wechselbeschwerden geben. Österreichweit nehmen insgesamt sieben klinische Zentren mit großem Erfolg an der Studie teil. Im Rahmen eines ehrgeizigen klinischen Forschungsprogramms sollen auch alle anderen Vorteile des Präparates in großen randomisierten klinischen Studien, insbesondere die Wirkung auf Brustdrüsengewebe, Knochen, Endometrium und das sexuelle Wohlbefinden, untersucht werden. Eines ist ganz wesentlich: nur durch wissenschaftlich seriöse, prospektiv randomisierte Studien lassen sich verlässliche Aussagen über Wirksamkeit und nicht zuletzt die Ungefährlichkeit von Medikamenten machen.“

Neue Präparateklasse

Tibolon gehört zu einer neuen, als Stear (Selective Tissue Estrogenic Activity Regulator) bezeichneten Präparateklasse zur Behandlung menopausaler Beschwerden. Es konnte bewiesen werden, dass Tibolon das Brustgewebe nicht stimuliert. Liberate untersucht daher Tibolon als potenzielle Behandlungsoption für Frauen nach Brustkrebs mit menopausalen Beschwerden, die durch die Brustkrebsbehandlung oft zusätzlich verstärkt werden. Diesen Frauen werden zurzeit gut etablierte Behandlungsmöglichkeiten aus Angst, dass es durch eine Hormonbehandlung möglicherweise zu Rückfällen kommt, verwehrt. Tibolon (Liviel®) ist zur Linderung menopausaler Beschwerden und Osteoporoseverhütung postmenopausaler Frauen zugelassen. Liviel® wirkt anders auf die Brust als Östrogen/Gestagentherapien: es stimuliert nicht das Brustgewebe, führt selten zu Brustspannen und erhöht nicht die mammographische Dichte der Brust. Trotzdem kann die Gewissheit, dass Liviel® das Rückfallrisiko von Brustkrebs nicht erhöht, nur durch eine randomisierte, doppelblinde, kontrollierte klinische Studie gewonnen werden.

Frauen, die in den letzten fünf Jahren wegen eines invasiven Mammakarzinoms operiert wurden und Wechselbeschwerden haben, können sich an der Klinischen Abteilung für spezielle Gynäkologie am Wiener AKH
melden: bei Prof. Dr. Christian Singer,
, oder unter der Tel-Nr. 01/40400-2801.

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