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Innere Medizin 27. Oktober 2005

Gesundes Leben hilft, Brustkrebs vorzubeugen

Das Fazit aus der aktuellen Studien-Datenlage beim Senologie-Kongress Anfang September in Stuttgart war: Das Brustkrebsrisiko sinkt bei gesunder Lebensführung. Adipöse Frauen sind besonders gefährdet zu erkranken.

Brustkrebs ist zum Teil ein Wohlstandsleiden: In den hochentwickelten Industrieländern erkranken fünfmal mehr Frauen daran als in den armen Regionen der Erde oder in Japan. Bei Migranten gleicht sich das Risiko eines Mammakarzinoms schon in der nächsten Generation an das des neuen Heimatlandes an. Dazu tragen weniger bestimmte Sorten von Nahrungsmitteln bei, sondern den größten Einfluss hat ein Zuviel: Bei einem BMI über 25 kg/m2, wie ihn mehr als die Hälfte der US-Bevölkerung mit sich schleppt, ist das Brustkrebsrisiko um 25 bis 40 Prozent erhöht. Dieser Zusammenhang lässt sich damit erklären, dass durch die Adipositas die Spiegel der Geschlechtshormone verändert werden. Wenn der Östrogenspiegel steigt, proliferieren vermehrt Zellen und ihre Apoptose wird dagegen gehemmt. Außerdem erhöhen sich die Werte für den Insulin-like Growth-Factor, ein Wachstumsstimulans für Zellen. Freilich setzt die abträgliche Wirkung von Übergewicht erst mit der Menopause ein, vor der Menopause schützt es eher vor Mammakarzinomen. Der Grund liegt vermutlich darin, dass dicke Frauen häufiger anovulatorische Zyklen haben als schlanke und bei ihnen daher die Spitzen der Östrogensekretion fehlen. Alkohol erhöht das Risiko Schlüsselt man die Nahrung nach einzelnen Bestandteilen auf, findet man nur beim Alkohol einen deutlichen Schadeffekt:
Bereits der Konsum von zehn Gramm pro Tag steigert das relative Risiko um sieben Prozent, und zwar offenbar deshalb, weil dies ebenfalls den Östrogenspiegel steigen lässt. Bedeutsam ist besonders die Frage, ob es auch schützende Faktoren gibt. Anders als erwartet ließ sich dies für eine Reduktion des Fettgehalts in der Nahrung nicht eindeutig nachweisen. Ebenso verringert der häufige Konsum von Obst und Gemüse oder der Verzicht auf rotes Fleisch zwar das Risiko von Tumoren im Verdauungstrakt, nicht aber in der Brust. Dagegen schützen die in Getreide enthaltenen Lignane und die in Soja vorkommenden Isoflavone vor Mammakarzinomen, wenn diese Produkte von Jugend an viel gegessen werden. Beide Substanzklassen wirken als Phytoöstrogene, die die körpereigenen Hormone aus ihrer Bindung an die Rezeptoren verdrängen. Da sie aber viel schwächer sind, vermindert sich insgesamt gesehen die Östrogenwirkung. Ebenso sinkt die Gefahr von Brustkrebs bei Frauen, die statt anderen Fetten viel Olivenöl zu sich nehmen. Das hat sich herausgestellt, als untersucht wurde, warum die Inzidenz in Mittelmeerländern relativ niedrig ist.

Sport beeinflusst Östrogen

Bei regelmäßigem Training ist gleichfalls das Risiko von Mammakarzinomen verringert, wie Dr. Irene Kührer vom AKH Wien mit einer kürzlich veröffentlichten Fall-Kontroll-Studie belegt hat. Demnach hatten die gut 100 Patientinnen einen um fast das Dreifache kleineren Wert für körperliche Aktivität als die gesunden Frauen. Sport ist deshalb so vorteilhaft, weil er die Fettverteilung und damit auch die Östrogenwerte günstig beeinflusst. So fördert er einer weiteren Untersuchung zufolge die Bildung eines schwachen Östrogenmetaboliten und unterdrückt die Entstehung eines stark wirksamen.

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