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Innere Medizin 20. Oktober 2005

Jährlich Tausende Krebsfälle durch Röntgenuntersuchungen

Mehr als 2.000 Deutsche erkranken pro Jahr an Krebs, der durch diagnostische Röntgenuntersuchungen verursacht wird. Zu diesem Ergebnis kommt eine internationale Studie im Lancet.

Röntgenstrahlen in diagnostischen Untersuchungen machen weltweit etwa 14 Prozent der jährlichen Strahlenbelastung aus. Das Ziel der aktuellen Studie war die Abschätzung des Krebsrisikos durch diagnostische Röntgenstrahlen anhand der Zahl der pro Jahr durchgeführten Röntgenuntersuchungen in 15 Industrienationen. Die Wissenschaftler bestimmten das individuelle Gesamtrisiko, bis zu einem Alter von 75 Jahren eine strahlen-induzierte Krebserkrankung zu entwickeln. Dazu verarbeiteten sie Modelldaten für das Risiko verschiedener Tumorleiden durch Strahlenbelastung. Diese basierten auf Angaben über die Häufigkeit von Krebserkrankungen bei den Überlebenden der Atombombe von Hiroshima (0-4 Gy). Die Daten wurden mit der durchschnittlichen Strahlenbelastung durch Röntgendiagnostik pro 1.000 Einwohner im Jahr und Abschätzungen von organspezifischen Strahlendosen durch den jeweiligen Strahlentyp kombiniert. Die Zahl der Krebs-Neuerkrankungen und die allgemeine Sterberate flossen ebenfalls in die Berechnungen ein.
Von den 15 beobachteten Ländern wies Großbritannien die niedrigste und Japan die höchste Zahl diagnostischer Röntgenuntersuchungen auf. Folglich lag das kumulative Risiko für ein strahleninduziertes Tumorleiden in Japan mit über drei Prozent, entsprechend 7.587 Fällen pro Jahr, am höchsten. In allen anderen Nationen lag dieses Risiko unter zwei Prozent, wobei Kroatien und Deutschland die Gruppe anführten (1,8% bzw.1,5%). Für Polen und Großbritannien errechneten die Forscher lediglich ein strahleninduziertes Krebsrisiko von 0,6%. Dies entspricht für Großbritannien 700 Fällen pro Jahr. Bei den Männern sind nach diesen Modellrechnungen vor allem Blasen- und Darmkrebs sowie Leukämie durch Strahlen verursacht. Bei den Frauen tritt Darmkrebs am häufigsten auf, gefolgt von Lungen- und Brustkrebs. Fazit: Obwohl die Zahl der durch Röntgenuntersuchungen entdeckten Krebsfälle die der durch sie ausgelösten weit übersteigen dürfte, zeigt der internationale Vergleich, dass in Deutschland zu viel geröngt wird. Die Ursachen sind weitgehend bekannt und systemimmanent. Die Größenordnung der durch den Eifer der Radiologen begründeten Krebsfälle ist erschreckend. Selbst wenn die Modellrechnungen zu pessimistisch sein sollten, so rufen sie doch die Folgen, die im Alltag zu oft ausgeblendet werden, ins Gedächtnis.

www.multimedica.de

Quelle: de Gonzalez et al.: Risk of cancer from diagnostic X-rays: estimates for the
UK and 14 other countries.
Lancet. Vol. 363; 345-50

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