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Innere Medizin 18. Oktober 2005

Erste Impfung gegen Krebs kommt 2006

Rund 33.500 Frauen in Europa haben ein diagnostiziertes Cervix-Karzinom, 15.000 sterben jedes Jahr daran. Damit kostet dieser durch Humanes Papilloma-Virus verursachte Tumor pro Tag 40 Frauen in Europa das Leben. Ein neuer Impfstoff könnte die Krankheit verhindern.

Das Cervix-Karzinom ist nach Brustkrebs die zweithäufigste tumorbedingte Todesursache bei Frauen, im Alter zwischen 15 und 50 Jahren rangiert es sogar an erster Stelle. Ursache des Cervix-Karzinoms ist das Humane Papilloma-Virus (HPV). Die Korrelation zwischen der HPV-Infektion und dem Auftreten eines Cervix-Karzinoms ist stärker als zwischen Rauchen und Lungenkrebs. 70 Prozent aller Menschen kommen im Laufe ihres Lebens mit HPV in Kontakt. Der Durchseuchungsgrad der Bevölkerung ist also beträchtlich. Das bedeutet, dass es keine speziellen Risikogruppen für diese Infektion gibt, sondern jede Frau und jeder Mann Träger und Überträger des Virus sein kann. Der Großteil der HPV-Infektionen erfolgt in einem relativ frühen Lebensalter. In den USA liegt der Inzidenz-Peak zwischen 18 und 28 Jahren. Obwohl die Virusinfektion vom gesunden Immunsystem bekämpft wird, kommt es jedoch zu chronischen Verläufen mit krankhaften Veränderungen im Bereich der äußeren Genitalschleimhaut oder an der Cervix.

Von der Virusinfektion zum Cervix-Karzinom

In manchen Fällen entwickeln sich diese Läsionen zu präkanzerösen Veränderungen und können im Verlauf von durchschnittlich 12 bis 13 Jahren letztendlich zum Cervix-Karzinom führen. Es sind viele verschiedene HPV-Typen bekannt, wobei nur einige humanpathogene Bedeutung haben. HPV-Typ 16 und 18 sind für die Entstehung von rund 70 Prozent aller Cervix-Karzinome verantwortlich. HPV 6 und 11 verursachen zirka 90 Prozent externer genitaler Läsionen wie Genitalwarzen, die sowohl bei Frauen als auch bei Männern auftreten können.

Bislang noch kein verlässlicher Schutz

Derzeit gibt es keinen verlässlichen Schutz gegen die HPV-Infektion, nicht zuletzt auch deshalb, weil nicht alle Übertragungswege bekannt sind. Der häufig symptomlose oder über einen langen Zeitraum unauffällige Verlauf begünstigt die unbemerkte Weitergabe der Viren zusätzlich. Pathologische Cervix Veränderungen können durch ein routinemäßiges zytologisches Screening, in der Regel dem Pap-Test, diagnostiziert werden. Diese Untersuchung wird Frauen zwischen 20 und 65 Jahren alle drei bis fünf Jahre empfohlen. Aber obwohl Screening das Risiko eines Cervix-Karzinoms durch Früherkennung reduziert, kann es weder eine HPV-Infektion noch die Entstehung präkanzeröser Läsionen verhindern. Zurzeit steht noch keine antivirale Behandlung gegen HPV zur Verfügung. Ein völlig neuer und vielversprechender Ansatz ist die Schutzimpfung gegen HPV. Sanofi Pasteur MSD hat eine quadrivalente Vakzine gegen HPV 6, 11, 16 und 18 entwickelt, die bereits im Jahr 2006 in Österreich unter dem Handelsnamen Gardasil® erhältlich sein soll. Damit steht erstmals eine Vakzine gegen Krebs zur Verfügung.

Impfschutz schon für Kinder und Jugendliche

Auf der 22. Internationalen Papillomavirus-Konferenz in Vancouver, Kanada, Anfang Mai 2005, sprachen sich die Experten dafür aus, dass alle Kinder beziehungsweise Jugendlichen zwischen neun und 13 Jahren vor ihrem ersten sexuellen Kontakt gegen HPV geimpft werden sollten. Sie appellierten an Hausärzte und Pädiater, die Eltern auf die Sinnhaftigkeit einer derartigen Schutzimpfung für ihre Kinder hinzuweisen. Die Dauer des Impfschutzes nach dreimaliger Grundimmunisierung konnte aufgrund der limitierten Beobachtungsdauer noch nicht evaluiert werden. Die Studiendaten umfassen derzeit erst einen Zeitraum von dreieinhalb Jahren, in denen der Impfschutz jedenfalls aufrecht war. Aufgrund des geringen Abfalls der Antikörpertiter in dieser Zeitspanne halten es Experten für möglich, dass der Schutz über viele Jahre erhalten bleibt.

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