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Allgemeinmedizin 17. Oktober 2005

„Sanfte“ Laserchirurgie bei Lungenmetastasen

Erstmalig in Österreich ist nun der Neodym-Yag-Laser an der Thoraxchirurgie des Otto-Wagner-Spitals in der Behandlung von pulmonalen Sekundaria im Einsatz. Die neue Technik, hilft große Blutverluste und Gewebedestruktion zu vermeiden.

Deutlich kürzere Erholungsphase nach der Operation und eine geringe Einbuße der Lungenfunktion –also mehr Lebensqualität für die operierten Patienten. Das sind kurz zusammengefasst die Vorteile einer laserchirurgischen Intervention bei sowohl solitären als auch multiplen Lungenmetastasen, die ein neues, nun auch in Österreich eingesetztes Verfahren möglich macht: Es handelt sich um einen speziellen Laser, nämlich den Neodym-Yag-Laser, der in der Lage ist, selektiv Lungengewebe zu schneiden.

Der Laser wird seit geraumer Zeit an der Lungenchirurgischen Abteilung des Otto-Wagner-Spitals (Vorstand Prim. Dr. N. Pridun) in Wien eingesetzt und ist nun nach einer Erprobungsphase im Volleinsatz. Diese neue Therapieoption stellt laut Dr. Peter Hollaus „eine entscheidende Verbesserung der operativen Behandlungsmöglichkeiten für Patienten mit Lungenmetastasen dar“. Für die Thoraxchirurgie in Österreich sei das neue Verfahren „ein mittlerer Quantensprung“.

Erste Zwischenbilanz

Durch das neue Gerät im OP, das bereits bei 76 Patienten – in allen Fällen erfolgreich – eingesetzt wurde, ist es möglich, Metastasen beziehungsweise auch ein Primum besonders schonend und sanft aus dem Lungengewebe zu entfernen. Größere Gewebsverluste können dadurch in über 90 Prozent der Fälle vermieden werden. Die Patienten erleiden nur einen minimalen Lungenfunktionsverlust. Selbst in der Tiefe liegende Herde werden von den Chirurgen schonend und ohne Blutverlust entfernt. Die Erholungsphase nach der Operation ist deutlich beschleunigt. So ist etwa die Drainage-Dauer verglichen mit konventionellen Eingriffen halbiert.

Verbesserte Lebensqualität

„Wir freuen uns, dass es uns gelungen ist, die vielfach auf Grund des Verlusts eines größeren Lungenanteils deutlich eingeschränkte Lebensqualität unserer Patientinnen und Patienten zu heben“, betont Hollaus. Auch sei das Verfahren weitaus Ressourcen-schonender als die herkömmlichen Verfahren: Der mittlere Blutverlust beträgt laut Angaben des Thoraxchirurgen 100 ml, die Hälfte der behandelten Patienten verlor überhaupt nur 50 ml Blut oder weniger. Damit muss nur noch ein Zehntel der bisherigen Menge an Blutkonserven bei Operationen eingesetzt werden. Der Verbrauch von Einmalmaterial (wie Staplermagazinen) wird auf Null reduziert und macht das Verfahren auch aus dieser Sicht ökonomisch attraktiv. Bei Einsatz des Lasers schneidet der Operateur mit den feinen Laserstrahlen den malignen Tumor direkt aus dem umgebenden Lungengewebe. Durch die Hitzeentwicklung erfolgt zugleich die Blutstillung. Zusätzlich werden Durchblutung und Belüftung der Lunge im Operationsgebiet nur geringfügig reduziert. Bisher waren die Operationen sehr aufwändige, invasive Eingriffe mit entsprechend großem Blutverlust. Die Neoplasien wurden mit Klammernahtgeräten aus der Lunge herausgeschnitten, wobei es je nach Größe und Anzahl der Metastasen bei jedem dritten Patienten sogar erforderlich war, einen größeren Lungenanteil – bis hin zu einem ganzen Lungenflügel – zu resezieren. Denn die Funktionsweise der Klammernahtgeräte bedingt, dass nur oberflächlich liegende Herde „ausgeklemmt“ und entfernt werden können. Tiefer gelegene Metastasen sind für diese Resektionstechnik tatsächlich nicht geeignet. Da das Klammernahtgerät nicht die anatomische Architektur der Lungen berücksichtigt und weder Gefäße noch Bronchien verschont, kann es bei mehrfacher Anwendung je nach Ausmaß der entfernten Geschwulst zu beträchtlichen Funktionsverlusten kommen. Diese können zwar langfristig vom Körper kompensiert werden, dem Patienten unmittelbar postoperativ jedoch erhebliche Probleme bereiten. Zusätzlich verbleiben Metallklammern im Körper, die eine starke Narbenreaktion hervorrufen, was einen Sekundäreingriff erheblich erschwert.

Geißel Lungenkrebs

Lungenkrebs macht in den westlichen Industriestaaten rund 30 Prozent aller durch einen Tumor verursachten Todesfälle aus. In Österreich ist die Lungenkrebserkrankung seit Beginn der 90er-Jahre leicht rückläufig. Die Rate der Neuerkrankungen ist bei den Männern insgesamt gesunken. Das Erkrankungsrisiko von Frauen hingegen ist deutlich angestiegen. Während 1990 insgesamt 886 Frauen an Lungenkrebs erkrankten, waren es zehn Jahre später bereits 1.096. Dabei zählt die Erkrankung auf Grund der niedrigen Überlebensraten und der eingeschränkten Behandlungsalternativen zu den besonders tragischen Erkrankungen. In Österreich sterben pro Jahr rund 3300 Menschen an den Folgen eines N. bronchi. Lungenmetastasen finden sich allerdings als gefährliche Begleiterscheinung auch bei anderen Karzinomen. Bei Brustkrebs haben etwa 15 bis 25 Prozent aller metastasierten Karzinome isolierte Lungenmetastasen. Ebenfalls entwickeln beispielsweise beim Darmkrebs etwa fünf Prozent Lungenmetastasen. Die Langzeiterfolgsraten nach Entfernung von Lungenmetastasen, unabhängig vom Primum, sind außergewöhnlich gut. Generell kommt eine Operation von Lungenmetastasen dann in Betracht, wenn die Muttergeschwulst erfolgreich entfernt wurde und außerhalb der Lungen keine weiteren Metastasen gefunden wurden. Der Stellenwert der Chirurgie ist dabei bei vielen Krebsarten sehr hoch. So verzeichnet gerade die Operationstechnik der Entfernung von Lungenmetastasen so beachtliche Erfolge, dass selbst bei einer neuerlicher Metastasierung nach einer ersten Operation ein weiterer Eingriff sinnvoll ist. Der Laser ist auch vor diesem Hintergrund eine Bereicherung: Er erlaubt den ÄrztInnen, ihren Patienten auch die Option auf einen Zweit- oder Dritteingriff offen halten zu können, was wichtig ist, da Lungenmetastasen wieder entstehen können. Bei der herkömmlichen Operationstechnik sind weitere Operationen – wie schon erläutert – durch Vernarbung und Funktionsverlust der Lunge deutlich erschwert bis unmöglich.

Rückfragenhinweis: Otto-Wagner-Spital
Dr. Peter Hollaus
Tel: 91060/4008

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