zur Navigation zum Inhalt
 
Innere Medizin 17. Oktober 2005

COPD: Konsensus für Allgemeinmediziner

Die drei Kardinalsymptome Husten, Auswurf und Atemnot zeichnen die Chronisch Obstruktive Lungenkrankheit aus. In Österreich sind etwa 400.000 Menschen als COPD-Patienten erkannt, was aber nur etwa einem Viertel der tatsächlichen Fälle entspricht. Das Konsensus-Statement der Österreichischen Gesellschaft für Allgemein- und Familienmedizin (ÖGAM) gibt Orientierungshilfen für die Diagnostik. Ein Kongress in Wien regte Fach- und Allgemeinärzte sowie Patientenvertreter zu Erfahrungsaustausch und Diskussion an.

Von 2. bis 4. Juni veranstaltete die ÖGAM im Wiener Siemens Center den Kongress „Integrierte Gesundheitsversorgung 2005“. Schwerpunkt der Veranstaltung war neben Osteoporose, Demenz und Diabetes mellitus die COPD (Chronic Obstructive Pulmonary Disease). Otto Spranger, Sprecher der Österreichischen Lungenunion, skizzierte den schleichenden Charakter und das damit verbundene fehlende Bewusstsein für die COPD: „Die chronischen Atemwegserkrankungen werden von Bevölkerung und Politik nicht als ernst zu nehmende Erkrankungen akzeptiert. Solange die Krankheitszeichen nur belästigen, ohne das tägliche Leben einzuschränken, werden sie bagatellisiert oder einfach geleugnet. Wenn sich der Kranke erstmals durch Beschwerden beeinträchtig fühlt, ist es zu spät.“ Während andere europäische Länder nach und nach drastische Maßnahmen gegen das Rauchen als Hauptursache der COPD ergreifen, bleibt es in Österreich bei Empfehlungen. Auch in der Akutbehandlung und Rehabilitation schwerer Verlaufsformen sehen Patientenvertreter großen Nachholbedarf. „Derzeit stehen österreichweit 22 Respiratory Care Betten für jährlich etwa 2.400 Patienten – Tendenz steigend – zur Verfügung“, kritisierte Spranger vor dem Hintergrund von Hochrechnungen, die der COPD eine traurige Karriere

voraussagen: Belegte die COPD

im Jahr 1990 weltweit Platz 6 aller Todesursachen, steht sie heute auf Platz 4 und wird 2020 voraussichtlich Platz 3 eingenommen haben. Zu den Verlieren gehören Frauen: Bedingt durch den ungebremst steigenden Raucheranteil nehmen COPD-Fälle beim weiblichen Geschlecht besonders stark zu. Der Konsensus der ÖGAM definiert die COPD als nicht vollständig reversible Atemflussbehinderung als Folge einer abnormen Reaktion der Lunge auf inhalative Noxen. Der Verlauf ist in der Regel pro-gredient, doch frühzeitiges therapeutisches Eingreifen kann der Krankheitsfortschritt verlangsamen. Verglichen mit anderen Erkrankungen ist die Diagnostik der COPD mit wenig technischem Aufwand verbunden. Die Erstdiagnose wird mittels Lungenfunktions-messung gestellt.

Die Spirometrie ist Diagnostik der Wahl

„Die Spirometrie wird beim Allgemeinmediziner aber nicht von allen Krankenkassen bezahlt. Wir möchten diese Untersuchung in die Ordination jedes Praktischen Arztes bringen und fordern ihre Aufnahme in unseren Leistungskatalog“, stellte Dr. Reinhold Glehr, Allgemeinmediziner in Hartberg, Steiermark, fest. Die Lungenfunktionsmessung und der Broncho-spasmolysetest sind nicht nur für die Früherkennung der COPD von Bedeutung, sondern ermöglichen auch die Abgrenzung zur wichtigsten Differenzialdiagnose, dem Asthma bronchiale. Glehr streicht die Bereicherung der Diagnostik hervor: „Buffles et al. konnten nachweisen, dass die Spirometrie die Wahrscheinlichkeit, eine COPD zu erkennen, verdoppelt.“ Jeder pathologische Spirometriebefund muss duch den Lungenfacharzt abgeklärt werden. Der Konsensus der ÖGAM betont die Zusammenarbeit zwischen Fach- und Allgemeinarzt. Auch jeder schon diagnostizierte COPD- Patient sollte zumindest einmal von einem Lungenfacharzt vollständig durchuntersucht werden. Die gemeinsame Vermittlung konsistenter Botschaften beeinflusst das Vertrauen und die Therapietreue des Patienten positiv.„Wir gehen davon aus, dass in Österreich etwa 400.000 Menschen von COPD betroffen sind. Die Dunkelziffer ist hoch, nur jeder vierte Fall ist bereits erkannt“, erklärte Prim. Dr. Kurt Aigner, Leiter der Abteilung für Lungenkrankheiten am Krankenhaus der Elisabethinen in Linz.

Augenmerk auf Risikogruppen richten

Das Konsensus-Statement definiert Risikogruppen und gibt Richtlinien für die spezifische Anamnese bei COPD. Raucher ab 40 Jahren, Patienten mit den drei Kardinalsymptomen Husten, Auswurf und Dyspnoe sowie Menschen mit gehäuften respiratorischen Infekten haben ein erhöhtes Risiko, ebenso wie Personen mit inhalativer Schadstoffbelastung am Arbeitsplatz. Aigner: „Raucher sind die wichtigste Zielgruppe für Screening. Ab dem 40. Lebensjahr empfehlen wir jährliche Lungenfunktionsprüfungen. Die Verlaufskontrolle der stabilen Erkrankung erfordert dieselben Untersuchungen wie die Erstdiagnostik.“ Die Messung des Kohlenmonoxidgehalts (CO) der ausgeatmeten Luft objektiviert Angaben über das Rauchverhalten: Beim Tabakrauchen wird CO an Hämoglobin gebunden und mit einer Halbwertszeit von sechs Stunden abgeatmet.

Quelle: ÖGAM – Integrierte Gesundheitsversorgung 2005, Wien 2. bis 4. Juni 2005
Links: Österreichische Lungen Union:
www.lungenunion.at
Initiative „Ärzte gegen Rauchen“:
www.aerzteinitiative.at

Dr. Alexander Lindemeier, Ärzte Woche 25/2005

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben