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Innere Medizin 17. Oktober 2005

Giftalgen können Atemlähmung verursachen

Sommerzeit – Badezeit. Doch Achtung: Wabbernde Algenteppiche im Meer und in Binnengewässern sehen nicht nur unappetitlich aus, sie können auch unangenehme bis gefährliche Folgen für die Gesundheit haben.

In der Vorwoche musste das Baden an der Ligurischen Küste bei Genua untersagt werden: Mehr als 100 Urlauber waren wegen Vergiftungserscheinungen ins Spital eingeliefert worden. Schuld an den Bauchkrämpfen, Fieberschüben und Atembeschwerden ist die Alge Ostreopsis Ovata, die normalerweise nur in tropischen Gewässern gedeiht, durch die Erwärmung des Mittelmeers in den letzten Jahren aber auch im mediterranen Gebiet wuchert. Ihre giftigen Substanzen konzentrieren sich vor allem in Meeresfrüchten, doch der direkte Kontakt mit der Alge kann ebenfalls Gesundheitsschäden verursachen.

Auch in Schweden und in den USA gibt es derzeit Warnungen vor giftigen Algen. Denn im Sommer vermehren sich auf der nördlichen Halbkugel Blau- und Rotalgen im Meer und in Binnengewässern explosionsartig. Die Algentoxine können bei Menschen durch orale Aufnahme zu akuten gastrointestinalen und/oder neurologischen Vergiftungserscheinungen führen oder durch unmittelbaren Kontakt Erkrankungen an Haut und Schleimhaut oder Atemwegsreizungen auslösen.

Weite Teile der schwedischen Ostseeküste sind durch das anhaltend warme Sommerwetter von einem Teppich giftiger Blaualgen bedeckt. Die Bezirksbehörde Stockholm warnte erst vor zwei Wochen alle Urlauber vor dem Baden in Gebieten der Algenblüte, wobei das Meer vor der Insel Gotland als besonders betroffen eingestuft wurde, meldete dpa. Vor allem für Kinder seien die Algentoxine gefährlich.

Rote Flut und grüne Suppe

In den USA verseucht die giftige Alge Alexandrium etwa Küstenabschnitte im Nordosten mit Ausdehnungstendenz auf den Süden Kanadas. Nach Aussagen von Experten handelt es sich um die größte „Red Tide“ („Rote Flut“) in dieser Region innerhalb der letzten 30 Jahre.

Der wie Erbsensuppe aussehende Algenteppich im Süßwasser hingegen wird vor allem von Cyanobakterien verursacht. Nur wenige der etwa 2.000 Arten seien giftig, so das Centrum für Reisemedizin (CRM) in Düsseldorf (infodienst 14, 2005, 22). Bei unmittelbarem Kontakt mit den giftigen Algen kann es zu Haut- und Schleimhautreizungen kommen. Ihre orale Aufnahme mit Trinkwasser sei für Menschen aber praktisch ungefährlich. Anders bei Tieren. Sie können erkranken und verenden. So wird aus Schweden berichtet, dass Hunde kurze Zeit nachdem sie aus der Algensuppe getrunken hatten, gestorben sind.

Miese Muscheln

Ernsthafte Gesundheitsschäden kann die Algenblüte im Meer verursachen. Auch hier produzieren nur einige Arten – wie Ostreopsis Ovata vor der Ligurischen Küste – Toxine, die sich in Planktonfiltern anreichern und so über Schalentiere oder Fische in die tierische und die menschliche Nahrungskette gelangen können. Besonders gefährlich ist, während der Zeit der Algenblüte Schalentiere wie Muscheln oder Austern zu essen, warnt das CRM. Je nach Art und Menge des Toxins kann es schon nach kurzer Zeit (30 Minuten bis einige Stunden) zu profusen Durchfällen oder zu Parästhesien, eventuell gefolgt von Paresen, kommen, schlimmstenfalls sogar zur Atemlähmung. Bei direkter Berührung können Dermatitiden die Folge sein. Einatmen der Algen mit der Gischt am Strand kann Schleimhautreizungen der oberen Luftwege auslösen.

Zur Vorbeugung sollte man Reisenden raten, unbedingt auf örtliche Warnhinweise und auf Berichte über aktuelle Vergiftungen in der näheren Umgebung achten. In diesen Fällen sollte man dann lieber auf den Verzehr von Schalentieren und Fisch verzichten sowie das Schwimmen und Strandspaziergänge erstmal unterlassen.

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