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Innere Medizin 1. August 2006

Funktionelle gastrointestinale Störungen

Funktionelle gastrointestinale Störungen (FGIS) stellen die häufigsten Erkrankungen in den ärztlichen Ordinationen dar. Die FGIS sind mit häufiger Arbeitsunfähigkeit, Verminderung der Lebensqualität und hohen medizinischen Kosten verbunden. Die meisten Patienten leiden unter psychosozialen Problemen. Deshalb ist es wichtig, die Beschwerden der Betroffenen in Bezug auf ihre bio-psycho-soziale Situation zu beurteilen und ihr Zustandsbild nicht allein als biomedizinische Krankheit zu definieren. Betreuende Ärzte und Ärztinnen sollten die Relevanz der psychosozialen Aspekte erkennen, damit sie die Betroffenen für eine Überweisung zu Spezialisten (Psychosomatiker/innen, Psychotherapeut/inn/en) vorbereiten und dafür interessieren bzw. motivieren können, beteiligte psychologische Faktoren weiter explorieren zu lassen. Die meisten Forschungsergebnisse zu Psychotherapie bei FGIS fokussieren auf das Reizdarmsyndrom, wobei verschiedenen Therapiemethoden (z. B. Verhaltenstherapie, Psychodynamische Therapie, Hypnotherapie oder Entspannungstechniken) untersucht wurden. Randomisiert kontrollierte Psychotherapie- Studien mit Nachuntersuchung zeigen eine deutliche Überlegenheit der Psychotherapien gegenüber den konventionell medikamentösen Therapien. Enorm erfolgreich scheint die "gut-directed" Hypnose zu sein. Positives Ansprechen auf Psychotherapie allgemein ist wahrscheinlich, wenn: (1) Stress die Symptome verstärkt oder auslöst, (2) milde Angst und Depression vorhanden ist, (3) das vorherrschende Symptom Schmerz und Durchfall, und nicht Verstopfung ist, (4) der Schmerz sich mit Nahrungsaufnahme, Defäkation oder Stress verändert und nicht konstant vorhanden ist, und (5) das Beschwerdebild noch relativ kurz andauert. Psychotherapie ist zu Beginn relativ teuer, denn sie bedarf mehrerer längerer Sitzungen. Ihr Erfolg bleibt aber bestehen oder verstärkt sich langfristig sogar, da die Arztbesuche und medizinischen Kosten auf Dauer reduziert und dadurch die Kosten der Psychotherapie wieder eingebracht werden können.

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