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Innere Medizin 1. Juli 2006

Chronische Hepatitis B und C – derzeitiger Behandlungsstandard und Aussichten für die Zukunft

Sowohl für die HBeAg positive als auch für die HBeAg negative chronische Hepatitis B ist derzeit die Therapie mit pegyliertem Interferon die Standardtherapie. Alternativ ist das Nukleosidanalog Lamivudine in der Lage die HBV DNA Spiegel im Serum zu unterdrücken und in bis zu 30 % der Patientin eine Serokonversion in HBeAg-System zu erreichen. Lamivudine ist ferner in HBeAg negativen chronischen Hepatitis B Fällen ähnlich effizient in der Unterdrückung der HBV DNA Replikation als in HBeAg positiven Patienten. Pegyliertes Interferon scheint kurzfristig effektiver zu sein, als Lamivudine Monotherapie. Die häufig gesehene Entwicklung von Lamivudine resistenten HBV Varianten kann nun seit einiger Zeit erfolgreich durch Therapieumstellung auf Adevofir dipivoxil bekämpft werden. Nukleosidanaloge sind üblicherweise besser verträglich als Interferon und können auch bei Patienten mit HBV induzierter Leberzirrhose eingesetzt werden. Es ist zu erwarten, dass in naher Zukunft andere Nukleosidanaloge wie Entecavir, Emtricitabine, Telbivudine oder Clevudine unsere therapeutischen Möglichkeiten gegen Hepatitis B wesentlich erweitern werden. Bei der chronische Hepatitis C ist die Therapie mit pegyliertem Interferon in Kombination mit Ribavirin derzeit Standard. Dieses therapeutische Regime ist aber nur in der Lage bei ca. 50 % der behandlungsnaiven Patienten eine Dauerheilung zu erreichen. Diese beschränkte Effektivität macht die Entwicklung neuer Medikamente notwendig. Kandidaten dafür sind NS3–4a Proteaseinhibitoren oder Inhibitoren der NS5B Polymerase. Darüber hinaus wird versucht die HCV Replikation auch durch auf RNA-Interferenz basierenden siRNA-Inhibitoren oder durch Aktivierung von Tol-like Receptors (TLR), die als Teil des natürlichen Immunsystems eindringende Mikroorganismen erkennen können, zu hemmen. Obwohl derzeit keine dieser therapeutischen Ansätze zu einer zugelassenen Therapie geführt haben, stellen sie erfolgsversprechende Wege für die Zukunft der HCV Therapie dar.

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