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Seit 2007 führt Angelika Prentner die Tradition weiter und setzt sie zeitgemäß fort.

Mehr als 100 verschiedene Heilmittel stellt die Apotheke selbst her.

Die historische, stimmungsvolle Atmosphäre blieb nach einer sorgsamen Renovierung in höchst ansprechender Weise erhalten.

Apotheke mit fast 300-jähriger Tradition im Stadtzentrum von Mariazell.

Im eigenen Vortragssaal werdenWissen und Kenntnisse vermittelt und an einer Auswahl an pharmazeutischen Geräten Produktionsprozesse demonstriert.

© (6) Kienast

Am Dachboden fanden sich alte Kräuterrezeptbücher.

 
Innere Medizin 5. Juli 2016

Tradiertes und neues Heilwissen

Die Pharmazeutin und Apothekerin Angelika Prentner und die Mariazeller Apotheke als glückliche Verbindung.

Die Vorgänge in der Natur sind ganzheitlich – über diese Faszination kam Mag. pharm. Dr. Angelika Prentner von der Chemie zur Pharmazie und zur Naturheilkunde. Die gerade in Sachen Naturheilkunde traditionsreiche Mariazeller „Apotheke zur Gnadenmutter“ ist daher für die Apothekerin, Autorin und Vortragende eine ideale Wirkungsstätte.

Seit 2007 führt Prentner nicht nur die Tradition weiter, sondern setzt sie zeitgemäß im Sinne einer Verbindung aus moderner Medizin und TEM, der traditionell europäischen Medizin, fort – mit einem vielfältigen Vermittlungsprogramm für Kunden und Fachkollegen. Die Apotheke wird zum Gesundheitszentrum.

Das Interesse für die Heilpflanzen reicht bei der gebürtigen Südsteirerin bis in die Kindheit zurück. Im Pharmaziestudium fand sie die gewünschte Verbindung von Mensch, Beschwerden, Heilmittel und Biologie und schloss schließlich mit einer Dissertation zum Thema bewusstseinsverändernde Pflanzen und einem Forschungsaufenthalt in Südamerika und Mexiko ab. Dann zog es sie bald wieder in die Praxis, zeigte eine post-doc-Stelle an der Universität Bern ihr doch, dass sie den kommunikativen Aspekt in der Arbeit schätzt – der in der reinen Forschung zu kurz kam. Als die Mariazeller Apotheke zum Verkauf stand, war die Entscheidung ziemlich schnell klar. „Diese Apotheke ist eine der wenigen in Österreich, die noch auf der Basis der eigenen Rezepturen und Produkte arbeitet“, erklärt Prentner. Das Wissen hat sich über fast drei Jahrhunderte hier erhalten, nicht zuletzt durch die Abgeschiedenheit der Region, die eine gewisse Autarkie notwendig machte. Geradezu legendär sind die Mariazeller Magentropfen. Zu den traditionsreichen Produkten zählt auch der „Edeltannenduft“, der früher zur Desinfektion von Krankenstuben verwendet worden ist. Heute wird er für Sauna, Badewasser, Inhalationen und zur Erleichterung der Atmung bei Atembeschwerden empfohlen. Die Lärchenpechsalbe, die früher als Gelenkssalbe eingesetzt wurde, erweist sich aufgrund ganz aktueller Studien sehr vielversprechend bei schlecht heilenden Wunden.

Historisches Ambiente mit moderner Technik

Die historische, stimmungsvolle Atmosphäre der 1718 gegründeten Apotheke und Drogerie „Zur Gnadenmutter“ blieb nach einer sorgsamen Renovierung in höchst ansprechender Weise erhalten. Ein neuer Verkaufsraum in Zirbenholz erweitert nun den Apothekenbereich mit einem großen Anteil der eigenen Produkte: Mehr als 100 verschiedene Heilmittel stellt die Apotheke selbst in den eigenen Räumen im Stadtzentrum von Mariazell und seit kurzem auch in einem Gebäudeteil des Krankenhauses her, darunter Hustensaft und –tropfen, Hildegard-Weine, Teemischungen bis zu Likören. Schließlich nimmt Mariazell als Wallfahrtsort eine Sonderstellung ein. Das führt auch dazu, dass die Apotheke rund um die Uhr in Bereitschaft und neun Monate im Jahr auch an den Wochenenden geöffnet ist. Die Drogerie, die in einem modernisierten Teil in den alten Gemäuern untergebracht ist, ist an Wochenenden durchgehend geöffnet.

„Die moderne Medizin geht immer mehr ins Detail“, stellt Prentner fest. „Die Zusammenhänge im Körper gehen dabei häufig verloren.“ Die traditionell europäische Medizin stellt dagegen ein gesamtheitliches Heilsystem dar: Zusätzlich zu den Organen und den physiologischen Funktionen sind Psyche, Geist und Energiesystem wichtige Bestandteile in der Betrachtung des ganzen Menschen. Durchaus ähnlich den traditionellen Herangehensweisen in anderen Kulturen, wobei jeweils die regionalen Heilmittel eingesetzt werden. Die Arzneipflanzen für die Produktion der Mariazeller Apotheke wachsen quasi vor der Haustüre. Die Frischpflanzen in Bioqualität stammen entweder direkt aus der Mariazeller Region oder aus der Südsteiermark. Die hauptsächlich verarbeiteten getrockneten Kräuter kommen in Arzneibuchqualität von einem gewerblichen Zulieferer.

Einen großen Bereich nimmt in der TEM die Präventivmedizin ein. Ebenso bewähren sich die Spezialitäten begleitend zur schulmedizinischen Therapie, etwa zur Organunterstützung mit dem Effekt der besseren Wirksamkeit, oder auch zu sehr schweren Therapien bei Krebs oder Autoimmunerkrankungen, um das Gesamtbefinden und damit die Lebensqualität zu verbessern.

Traditionelles Wissen mit neuem Leben füllen

Das Wissen über die wohltuende Wirkung der Heilpflanzen, deren Zubereitung und Anwendung ist als Allgemeinwissen verlorengegangen, bedauert Prentner. Sie setzt mit Vorträgen, Seminaren, Artikeln und Büchern ein breites Informationsangebot gegen dieses Vergessen. Die „1. Heilpflanzen-Akademie der Traditionellen Europäischen Medizin“ vermittelt Wissen über Grundlagen und Wirkungen von Heilpflanzen in der TEM, ihre Wirkstoffe, die Signaturenlehre und Archetypenlehre bis zur richtigen Zubereitung und Anwendung für alle Interessierten – die Nachfrage ist groß und die Begeisterung ansteckend. Für die vielfältigen Veranstaltungen ließ die Apothekerin im ersten Stock des historischen Gebäudes einen eigenen Vortragssaal einrichten, der auch eine Auswahl an pharmazeutischen Geräten für Demonstrationszwecke bereithält.

Groß war auch die Begeisterung, als Prentner nach dem Kauf der Apotheke bei der Erkundung des gesamten Hauses am Dachboden alte Kräuterrezeptbücher fand, die beispielsweise die Rezeptur des „Lebenselixiers“ enthalten. Die Heilkräuterkenntnisse der vielfältig engagierten Pharmazeutin und Apothekerin führen immer wieder zu Neuentwicklungen und zu Erweiterungen des Produktangebots. Und dem im Springer-Verlag erschienenen Buch „Bewusstseinsverändernde Pflanzen von A bis Z“, das als E-Book erhältlich ist, wird Prentner Anfang kommenden Jahres eines über die „Einsatzmöglichkeiten von Heilpflanzen in der traditionell europäischen Medizin“ folgen lassen.

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