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Ehemalige Hypertoniker haben u. a. ein höheres Risiko für eine subklinische Atherosklerose.
 
Innere Medizin 17. Mai 2016

Gefäße vergessen nicht

Bei einer Hypertonie steigt das Risiko für die Gefäße schnell an und bleibt länger erhalten.

Eine Studie zeigt, wie wichtig eine möglichst frühe antihypertensive Therapie ist, denn das Risiko für die Gefäße steigt schon sehr früh an und lässt sich kaum wieder völlig normalisieren.

Für die US-Studie von Dr. Liu K. et al. wurden Daten der Multi-Ethnic Study of Atherosclerosis (MESA) und der Studie Coronary Artery Risk Development in Young Adults(CARDIA) analysiert. Beide Studien verglichen die kardiovaskuläre Prognose von Teilnehmern mit und ohne eine antihypertensive Behandlung. Die Patienten wurden entsprechend ihrem Blutdruck zu Studienende in drei Gruppen eingeordnet. Von Interesse war vor allem die Gruppe mit einem niedrigen Blutdruck (< 120/80 mmHg). Nachgegangen wurde der Frage, ob es einen Unterschied machte, wenn dieser Bereich mit einer medikamentösen Therapie erreicht wurde.

In der MESA-Subgruppe mit niedrigem Blutdruck ergaben sich Nachteile für jene Teilnehmer, die antihypertensiv behandelt worden waren. Sie hatten einen höheren linksventrikulären Massenindex, häufiger eine glomeruläre Filtrationsrate (GFR) < 60 ml/min/1,73 m2, häufiger einen Koronarkalk-Score über 100 als die unbehandelten Normotensiven – außerdem eine doppelt so hohe Inzidenz kardiovaskulärer Erkrankungen über 9,5 Jahre.

Auch in der CARDIA-Studie hatten Teilnehmer mit niedrigem Blutdruck, die Antihypertensiva genommen hatten, Nachteile. Sie hatten in den vorausgegangenen 25 Jahren öfter erhöhten Blutdruck gehabt und trugen auch ein höheres Risiko für Endorganschäden und subklinische Atherosklerose als unbehandelte Normotensive.

Fazit: möglichst früh beginnen

Diese Ergebnisse lassen nicht etwa Zweifel am Nutzen einer antihypertensiven Behandlung aufkommen. Sie zeigen vielmehr, dass sich das kardiovaskuläre Risiko von Hypertonikern selbst mit einer antihypertensiven Behandlung nicht wieder völlig auf das Niveau normotensiver Menschen reduzieren lässt. Die CARDIA-Studie lässt vermuten, dass für diesen Unterschied unter anderem auch der Zeitraum eine Rolle spielt, bis das Behandlungsziel erreicht war.

Die Schlussfolgerung für die Praxis lautet daher, dass eine möglichst frühzeitige Behandlung von Hypertonikern hilfreich sein könnte, um das kardiovaskuläre Risiko nach der Blutdruckeinstellung effektiv zu senken. Die Zeit, in der diese Patienten erhöhte Blutdruckwerte haben, bleibt offenbar lange im Gedächtnis ihrer Gefäße haften.

Prof. Dr. Walter Zidek ist an der Medizinischen Klinik für Nephrologie, Charité Berlin tätig.

Der Originalartikel „Hypertonie: Gefäßrisiko steigt schnell an“ ist erschienen in „MMW – Fortschritte der Medizin“ 4/2016, DOI 10.1007/s15006-016-8139-7, © Springer Verlag

Originalpublikation: Liu K et al., Can Antihypertensive Treatment Restore the Risk of Cardiovascular Disease to Ideal Levels? The Coronary Artery Risk Development in Young Adults (CARDIA) Study and the Multi-Ethnic Study of Atherosclerosis (MESA); J Am Heart Assoc. 2015;4:e002275

Walter Zidek, Ärzte Woche 20/2016

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