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Innere Medizin 26. April 2016

Auf Lunge und Herz achten

Organkomplikationen gefährden Patienten mit rheumatischen Erkrankungen.

Die rheumatische Krankheitsaktivität spielt auch für die kardiovaskuläre Mortalität eine große Rolle. Bestimmte Arzneien können das kardiovaskuläre Risiko erhöhen.

Atemnot, Abgeschlagenheit oder Husten sind Zeichen, die bei rheumatisch erkrankten Patienten auf eine Beteiligung der Lunge hinweisen können. Es sei wichtig, bei den Patienten gezielt diese Symptome abzufragen, sagte Professor Michael Pfeifer aus Regensburg auf dem Kongress der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin in Mannheim. Nach seinen Angaben muss bei 20 bis 90 Prozent der Rheumapatienten mit einer pulmonalen Beteiligung gerechnet werden.

Myositis, Muskelatrophie und Pleuraerkrankung führen zur respiratorischen Insuffizienz, die Sklerose und Hyperplasie der glatten Muskulatur zur Obstruktion der Atemwege sowie interstitielle Pneumonie und Vaskulitis zu Diffusionsstörungen.

Das Stethoskop benutzen

Hinzu kommt die Gefäßentzündung, die in Verbindung mit dem Remodeling eine pulmonale Hypertonie bedingen kann. „Ein Pleuraerguss, der keine Glukose enthält, ist ein guter Hinweis darauf, dass eine rheumatische Erkrankung dahinter steckt“, so ein Tipp von Pfeifer. Und ein Weiterer: Ab und zu mal wieder das Stethoskop benutzen! Denn damit lässt sich eine Lungenfibrose im Frühstadium erkennen.

Die häufigste Todesursache bei Rheumapatienten sind kardiovaskuläre Erkrankungen. Darauf wies Professor Klaus Krüger aus München hin. Mehr als jeder dritte Patient habe eine Hypertonie, etwa jeder zehnte eine koronare Herzkrankheit. Bereits im ersten Erkrankungsjahr nehme die Häufigkeit von Myokardinfarkten deutlich zu. Vor allem geht es aber auch um Herzinsuffizienz.

Die rheumatische Krankheitsaktivität spielt für die kardiovaskuläre Mortalität eine große Rolle. Krüger: „Wenn es uns gelingt, die Entzündungsaktivität zu reduzieren, dann reduzieren wir damit auch die kardiovaskuläre Komorbidität.“

Kardiovaskuläres Risiko

Diverse Antirheumatika können das kardiovaskuläre Risiko erhöhen. So steigern nichtsteroidale Antirheumatika das Risiko für schwere kardiovaskuläre Ereignisse um das 1,5-Fache und Steroide um das 1,6-Fache. Deshalb sollte versucht werden, Glukosteroide innerhalb des ersten Behandlungsjahres auszuschleichen und abzusetzen. Dagegen reduzieren Methotrexat und TNF-alpha-Inhibitoren dieses Risiko, besonders in der Langzeittherapie.

Überraschenderweise hat sich in einer Studie bei Patienten mit Rheumatoider Arthritis (RA) ein erheblicher kardioprotektiver Effekt von Hydroxychloroquin ergeben, und zwar mit einer 70-prozentigen Risikorisikoreduktion für das Auftreten einer KHK und einer 68-prozentigen Risikoreduktion für das Auftreten von Herzinfarkten und transienten ischämischen Attacken (Sharma TS et al. J Am Heart Assoc 2016; Jan 4; 5(1)).

Lupus-erythematodes-Patienten sollen ja bereits seit langem Hydroxychloroquin in der Kombinationstherapie dabei haben. Nun könnte dieser protektive Effekt auch für die Kombinationstherapien von RA-Patienten bedeutsam werden.

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