zur Navigation zum Inhalt
© britta60 / fotolia.com
 
Innere Medizin 12. April 2016

Sind das schon die Wechseljahre?

Der Nutzen von Selbsttests ist fraglich, das ergibt eine Untersuchung von „Gute Pillen – Schlechte Pillen“.

Zyklus-Chaos, Gereiztheit, Hitzewallungen und dann noch schlaflos nachts im Bett? Frauen ab Mitte 40 rätseln da zu recht, ob sie schon in die Wechseljahre trudeln. Klarheit können – so die Werbebotschaft – frei verkäufliche Selbsttests rasch und zuverlässig verschaffen. „Gute Pillen – Schlechte Pillen“ hat sich diese Urin-Selbsttests vorgeknöpft – mit trüben Ergebnissen.

Die typischen Symptome der Wechseljahre entstehen, weil sich der weibliche Hormonhaushalt verändert: Die Produktion von weiblichen Geschlechtshormonen (Östrogenen, Gestagenen) in den Eierstöcken lässt nach und in der Folge wird mehr follikelstimulierendes Hormon (FSH) gebildet. FSH wird über Nieren ausgeschieden und ist im Urin messbar.

Auf dieses FSH-Messprinzip bauen die „Wechseljahre-Tests“, die Frauen in Apotheken erhalten und aus eigener Tasche bezahlen müssen. Meist schlagen die Anbieter vor, den Test nach ein paar Tagen zu wiederholen, um so mögliche FSH-Schwankungen zu berücksichtigen.

Ob die Ergebnisse tatsächlich verlässlich die Wechseljahre vorhersagen, ist bislang nicht durch Studien belegt. Die angeblich hohe Test-Genauigkeit bezieht sich nämlich nur darauf, dass der Urin-Wert dem FSH-Wert im Blut entspricht.

Und das Ende vom Lied? Fallen beide Tests positiv aus, dann empfehlen Anbieter wie Stada, sich die „Wechseljahre“ von einer Gynäkologin bestätigen zu lassen. Fällt der zweite Test negativ aus, raten sie Frauen den Test nach gut eineinhalb Monaten zu wiederholen – oder gleich zu ihrer Frauenärztin zu gehen. Da kann man sich den Test eigentlich gleich ganz sparen.

Der Tipp der werbefreien Internet-Plattform Gute Pillen – schlechte Pillen lautet daher auch: Plagen Sie typische Wechseljahrbeschwerden wie unregelmäßige Monatsblutungen und Hitzewallungen? Dann wenden Sie sich direkt an Ihre Gynäkologin. Das schont die Geldbörse: Ein Selbsttest kostet zirka 15 Euro.

Was bedeutet eigentlich ein positives Testergebnis? Die Anleitung zum Menopausentest von Stada schlägt vor, dass sich die Anwenderin bei zwei positiven Tests von ihrer Gynäkologin bestätigen lässt, dass sie sich tatsächlich in den Wechseljahren befindet. Fällt der zweite Test negativ aus, soll die Anwenderin laut Packungsbeilage nach 40 bis 60 Tagen den Test wiederholen oder aber gleich mit ihrer Frauenärztin sprechen. Doch warum? Frauen um die Fünfzig merken, wenn sich ihr Körper verändert, und spüren den Beginn der Wechseljahre. Brauchen sie es schwarz auf weiß? Lohnt es, pro Test rund 15 € auf den Tisch zu legen? Weder die Wechseljahre noch die Menopause sind eine Krankheit, sondern – wie die Pubertät – Ausdruck einer Lebensphase mit einer Umstellung des Körpers, die früher oder später einsetzt, länger oder kürzer dauert, mit mehr oder weniger Beschwerden verbunden ist. Ob eine Behandlung solcher Beschwerden sinnvoll und nützlich ist, ergibt sich aus der aktuellen Situation und sollte mit der Frauenärztin überlegt werden. Gewonnen ist mit diesem Test also nichts – es lässt sich nicht einmal ein Arztbesuch einsparen.

Nutzen die Betroffenen hormonelle Verhütungsmittel (z. B. die „Pille“)? Dann liefert Ihnen der Wechseljahre-Test wahrscheinlich falsche Ergebnisse. Auch bei einem positiven Testergebnis ist es ratsam, weiter Verhütungsmittel anzuwenden. Denn solange eine Frau noch Regelblutungen hat, kann sie theoretisch schwanger werden – auch wenn das kurz vor oder während der Wechseljahre nur selten vorkommt.

Gute Pillen – Schlechte Pillen, Ärzte Woche 15/2016

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben