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Angiographische Darstellung der linken Beckenvenen. Die V. iliaca externa zeigt sich verschlossen mit massiven Umgehungskreisläufen, die im Leisten- und Unterbauchbereich deutlich sichtbar und tastbar sind und dem Patienten ausgeprägte schmerzhafte Beschw
© (3) Prof. Dr. Florian Wolf

Darstellung der linken Beckenvenen nach Rekanalisation und Stentimplantation – es ist nun wieder ein regulärer venöser Abstrom gegeben. Die Kollateralkreisläufe waren unmittelbar nach dem Eingriff kollabiert und entsprechend nicht mehr gefüllt.

Computertomographie des Beckens. Der kurze Pfeil zeigt auf die rechteVena iliaca externa (äußere Beckenvene), diese ist kaliberkräftig und normal durchblutet. Der längere Pfeil zeigt auf den Bereich, wo die linke Vena iliacaexterna verlaufen sollte, man sieht hier nur ein kleines Gefäß entsprechend einer Kollaterale – ein suffizienter venöser Abstrom ist hier nicht gegeben.

 
Innere Medizin 29. März 2016

Verstopfte Abflüsse

Dank moderner Verfahren ist das postthrombotische Syndrom gut zu behandeln

Bereits seit Ende der 1990-er Jahre werden das postthrombotische Syndrom und das May-Thurner-Syndrom (Vena-iliaca-Kompressionssyndrom) mittels interventioneller Technik therapiert. Durch neue Verfahren sowie spezielle, für das venöse System entwickelte Stents ist die Behandlung in den letzten Jahren sehr erfolgreich und für die Patienten hoch-effektiv geworden.

Etwa die Hälfte aller Patienten, die von einem Venenverschluss betroffen sind, entwickeln in der Folge ein postthrombotisches Syndrom (PTS). Dessen Symptome sind mannigfaltig sowie abhängig von Verlauf und Dauer der Erkrankung. Unabhängig davon beeinträchtigen sie die Lebensqualität der Betroffenen erheblich. Nicht selten sind sie mit Schwellungsneigung, Hautverhärtungen und Verhärtungen des Subkutangewebes, sklerotischen Gewebsveränderungen der Haut, des Subkutangewebes und der Faszie konfrontiert. Außerdem ist bei Patienten mit chronisch verschlossenen Beckenvenen der Venenfluss nachhaltig gestört. Dauerhaft geschwollene Beine und Krampfadern bis hin zum therapieresistenten offenen Unterschenkelgeschwür (Ulcus Cruris) beeinträchtigen die Lebensqualität der Patienten massiv.

Bildgebungsverfahren

Venöse Abflussbehinderungen im Bereich der Beckenvenen sind im Rahmen endovaskulärer Eingriffe gut behandelbar. Hierbei spielt das morphologische Bild des obliterierten Gefäßes eine eher nebensächliche Rolle, vielmehr stehen Beschwerden sowie Leidensdruck der Patienten im Vordergrund. Zur Abklärung der venösen Druckverhältnisse sowie zur eindeutigen Diagnosestellung bieten sich ergänzend funktionelle Tests wie die Phlebodynamometrie und die Venenverschlussplethysmographie sowie moderne bildgebende Methoden wie die Venendarstellung mittels Magnetresonanz- oder Computertomographie an. Darüber hinaus besteht die Möglichkeit, mittels intravaskulärem Ultraschall Engstellen und Veränderungen darzustellen. Bei dieser Untersuchung wird im Rahmen einer Sonografie-Einheit ein mit einer Ultraschallsonde versehener Spezialkatheter in das zu untersuchende Gefäß eingeführt, um dessen Wandverhältnisse darzustellen.

Stents sind Mittel der Wahl

Da eine reine Angioplastie bei chronisch verschlossenen Beckenvenen nicht funktioniert, ist die Implantation von Stents das Mittel der Wahl. In den letzten Jahren wurden spezielle Stents entwickelt, die für die Verwendung im venösen System optimal geeignet sind und gute Offenheitsraten ermöglichen.

Der Vorteil endovaskulärer Verfahren ist, dass sie in örtlicher Betäubung vorgenommen werden können. Die Patienten sind während des Eingriffs wach und werden während der Angiographie-Einheit bei Bedarf mit Schmerz- und Beruhigungsmitteln versorgt. Um chronisch verschlossene Beckenvenen zu behandeln, ist nach erfolgter örtlicher Betäubung die Punktion der linken oder rechten Leistenvene erforderlich. Anschließend werden die verschlossene Vene und die Umgehungskreisläufe mittels Kontrastmittel dargestellt. Nun wird mit verschiedenen Kathetern und Drähten die verschlossene Vene rekanalisiert und anschließend mit einem Ballon aufgedehnt. Anschließend bringt man über einen weiteren Katheter einen speziellen, selbst-expandierbaren Venen-Stent in das Gefäß ein. Dieser wird zum Abschluss mit einem Ballon aufgedehnt. Der venöse Abstrom kann nun wieder über die normal durchströmte venöse Beckenstrombahn erfolgen.

Interdisziplinäre Kooperation

Die kathetertechnische Intervention gilt als geeignete und sichere Alternative zur chirurgischen Rekons-truktion des Venenflusses. Entscheidend für den technischen, aber vor allem für den langfristigen klinischen Erfolg der Methode ist eine interdisziplinäre Zusammenarbeit von Interventioneller Radiologie und jenen Disziplinen, die mit derartigen Erkrankungen konfrontiert sind – in den meisten Fällen Chirurgie, Angiologie und Dermatologie.

Prof. h.c. Dr. Alexander Flor ist Facharzt für Chirurgie in Wien und spezialisiert auf die Diagnostik und minimal-invasive Therapie von Venenleiden(www.venenpraxis.at).

Ass. Prof. Priv. Doz. Dr. Florian Wolf, arbeitet an der Abteilung für Kardiovaskuläre Bildgebung und Interventionelle Radiologie am AKH Wien (www.florianwolf.at)

Mag. Sonja Streit ist freie Medizinjournalistin in Wien.

Alexander Flor, Florian Wolf und Sonja Streit, Ärzte Woche 13/2016

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