zur Navigation zum Inhalt
 
Innere Medizin 1. Mai 2006

Behandlung und Aufklärung bei unklarer Diagnose

Eine 82-jahrige Patientin wird bei unklarem Gallenblasenbefund laparoskopiert. Es besteht in den bildgebenden Verfahren der hochgradige Verdacht auf ein Gallenblasenkarzinom mit Infiltration der Leber. Mit der gewählten Methode gelingt es nicht das Karzinom nachzuweisen. Die Patientin und ihre Angehörigen werden über den vermeintlich benignen Befund aufgeklärt und die Patientin wird nach Hause entlassen. Drei Monate später verstirbt sie an ihrem Gallenblasenkarzinom, welches bei diesem Aufenthalt per Leberpunktion nachgewiesen wurde. Die Angehörigen zeigen sich vom Tod der Mutter überrascht und erklären, dass sie die letzten drei Monate anders genutzt hätten, wären sie über die ursprüngliche Verdachtsdiagnose und die entsprechende Prognose aufgeklärt worden. Eine Diskussion über vergebene Chancen. In diesem Fallbericht geht es um den Umgang mit der Tatsache, dass eine tödliche Erkrankung vorliegt. Der Artikel beschäftigt sich nicht mit der grundsätzlichen Behandlung eines fortgeschrittenen Gallenblasenkarzinoms bei bekannt schlechter Prognose. Es stehen einander kurative Ansätze unter Verdrängung der realen Situation und entsprechender Kommunikation und palliative Ansätze, mit dem Versuch aus der realen Situation das "Beste" zu machen, gegenüber. Es kommt immer wieder vor, dass ein Tumor nach Klinik und in den bildgebenden Verfahren ausgesprochenm wahrscheinlich ist, trotz intensivster Bemühungen aberkein Tumornachweis gelingt. Häufig handelt es sich dabei um Tumore des Pankreas und der Gallenwege. Ist der Patient in hohem Alter, wird die Entscheidung noch schwieriger: Wie invasiv soll der Tumornachweis geführt werden und wie sehen nach erfolgtem Tumornachweis die Konsequenzen aus? Wie soll der Patient informiert werden? Ich glaube, dass alle Ärzte solchen Situationen täglich begegnen.

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben