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Innere Medizin 10. Februar 2016

Ein Hohelied auf die Gruppentherapie

Expertenbericht: Mit Gleichgesinnten zu üben, stärkt die Compliance.

Bei der Behandlung von komplizierten chronischen Schmerzen ist neben der Abklärung, Diagnose, Behandlung der Ursache (soweit möglich) und medikamentöser Therapie auch die Berücksichtigung bio-psycho-sozialer Faktoren notwendig. Multimodale Therapieansätze mit interdisziplinärer Zusammenarbeit von Ärzten, Therapeuten und anderen helfenden Berufsgruppen haben sich bewährt.

Schmerzeduktion (Information über Schmerzentstehung, Schmerzchronifizierung, Schmerzverstärkung und psychosoziale Einflussfaktoren) hat einen zentralen Stellenwert in der Therapie chronischer Schmerzen.

Im gruppentherapeutischen Setting wird mit dem Patienten ein verbessertes Verständnis der bestehenden Schmerzsituation erarbeitet und damit versucht einen besseren Umgang mit den Schmerzen einzuleiten.

Die Vorteile der Gruppentherapie für Patienten liegen darin, sich mittels Gleichgesinnter besser verstanden zu fühlen. Durch das Thematisieren ihrer Schmerzen erleben sich die Patienten ernst genommen, die Compliance wird erhöht.

Zu den therapeutische Inhalten und Zielen gehören unter anderem die (Krankheits-/Schmerz-)Akzeptanz und die Herstellung einer Veränderungsmotivation nach verhaltenstherapeutischen Ansätzen. Das Augenmerk liegt auf der Förderung der Eigenverantwortung und Selbstwirksamkeit. Häufige dysfunktionale Verhaltensmuster wie Perfektionismusstreben, Durchhaltestrategien oder Vermeidungsverhalten sollen aufgedeckt und korrigiert werden.

Bei langandauernden Schmerzzuständen kommt es häufig zu Einschränkungen. Sport und schmerzende Bewegungen werden tunlichst vermieden. Neben abnehmender Fitness wird der soziale Rückzug zum Problem. Gemeinsame Trainingstherapie mit abgestimmten Bewegungsmustern ist in mehrfacher Hinsicht wichtig: Erlernte Entspannungsübungen helfen dem Patienten einem Circulus vitiosus – Anspannung, Schmerzen, Befindlichkeit – entgegenzuwirken. Neu herbeigeführte Alternativreaktionen ersetzen vorhandene ungünstige, automatisierte Abläufe – neue Handlungsweisen werden möglich.

Am 15. April startet im Schmerzkompetenzzentrum Bad Vöslau eine Schmerzgruppe als Pilotprojekt. Dabei wird eine Gruppentherapie (sechs bis zehn Patienten) an acht Nachmittagen mit Schmerzedukation, Entspannungsübungen und Bewegungseinheiten für Patienten mit chronischen Schmerzen durchgeführt.

Dr. Herwig Kropfmüller ist als

Wahlarzt für Akupunktur und Schmerzmedizin im Schmerzkompetenzzentrum Bad Vöslau sowie im Rehabilitationszentrum Gars am Kamp tätig.

www.schmerzkompetenz zentrum.at

Herwig Kropfmüller, Ärzte Woche 6/2016

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