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Innere Medizin 10. Februar 2016

Schmerz in kompetenten Händen

Interview Beste Gesundheit-Betriebe

Etwa 1,5 Millionen Österreicher leiden an chronischem Schmerz*. An erster Stelle stehen dabei Rückenleiden, gefolgt von Kopf- und Nackenschmerzen. Hilfe für Betroffene gibt es nun im Moorheilbad Harbach in Niederösterreich, wo ein neuer Behandlungsschwerpunkt „Schmerztherapie“ geschaffen wurde. Im Interview geht Schmerztherapeutin OÄ Dr. Waltraud Stromer der Volkskrankheit Rückenschmerzen näher auf den Grund.

Welche Bereiche sind bei Rückenschmerzen genau betroffen?

Stromer:Von Rückenschmerzen sind vor allem die Wirbelsäule und die umliegenden Muskeln betroffen. Rückenschmerzen können also an der Wirbelsäule entlang vom Nacken bis zum Steißbein auftreten, wobei am häufigsten die Lendenwirbelsäule im unteren Teil des Rückens Schmerzen bereitet. Die Brustwirbel sind prozentuell am wenigsten betroffen. Einseitige Fehlbelastungen sind ebenso eine Hauptursache für auftretende Rückenschmerzen.

Können bestimmte Ursachen festgemacht werden?

Stromer:Hier kann man keine pauschale Aussage treffen. Akute Verletzungen, z. B. Wirbelbrüche oder Bandscheibenvorfälle, die für 20 Prozent der Rückenschmerzen verantwortlich sind, bis zu Abnützungserscheinungen, spinaler Stenose, Einengung des Wirbelkanals und Gleitwirbel sowie degenerative Wirbelsäulenerkrankungen oder ein Tumor können mögliche Ursachen sein. Auch entzündliche Erkrankungen wie Morbus Bechterew können zu Rückenschmerzen führen. Außerdem muss auch an das Vorliegen von internistischen Erkrankungen, welche sich auch in den Rückenbereich projizieren können, gedacht werden. Oftmals spielen auch psychosomatische Faktoren eine Rolle bei der Schmerzentstehung. Formulierungen wie „jemand hat schwer an etwas zu tragen“ kommen nicht von ungefähr.

Wie werden Rückenschmerzen behandelt?

Stromer:Meist gehen mit der Medikamenteneinnahme physikalische Therapiemaßnahmen sowie eine psychologische Begleittherapie, beispielsweise mit Entspannungstechniken, einher. Komplementärmedizinische Behandlungen wie Akupunktur unterstützen ebenso den Heilungsprozess. Außerdem ist es sinnvoll, einen weiteren Fachspezialisten zu Rate zu ziehen.

Welche Schmerzmittel kommen wann zum Einsatz?

Stromer:Die Auswahl der Schmerzmittel richtet sich nach der vorhandenen Schmerzart. Schmerzepisoden können oft ein vorübergehendes Ereignis sein, wobei durch rasche, möglichst zielgerichtete Behandlung die Ausbildung eines Schmerzgedächtnisses verhindert werden soll. Bei Schmerzen im Bereich von Muskeln, Bändern und Gelenken werden Nichtopioide wie entzündungshemmende Antirheumatika, Paracetamol oder Metamizol eingesetzt. Je nach Kontraindikation und möglichen Nebenwirkungen werden die Medikamente für den jeweiligen Patienten gezielt ausgewählt. Ebenso haben nichtsteroidale Entzündungshemmer zwar eine sehr gute Wirksamkeit, doch auch ein hohes Nebenwirkungspotenzial, weshalb diese in der geringsten effektiven Dosis für einen begrenzten Zeitraum verordnet werden dürfen. Bei starken Schmerzen werden Nichtopioide mit Opioiden kombiniert. Sind Nervenstrukturen an der Schmerzentstehung beteiligt, so spricht man von einem neuropathischen Schmerz. Die Schmerzen sind dann brennend, oft einschießend und werden als quälend empfunden. Hier kommen spezielle Medikamentengruppen wie Antikonvulsiva, Medikamente zur Behandlung von Epilepsie und auch Antidepressiva zum Einsatz.

Wann sind Operationen indiziert und wann nicht?

Stromer: Kommt es bei einem Bandscheibenvorfall zu einer Kompression des umliegenden Nervengewebes, können Lähmungserscheinungen der Beine bis hin zu Störungen der Blasen- und Mastdarmfunktion auftreten. In diesen seltenen Fällen ist meist ein operativer Eingriff indiziert. Ansonsten geht aus neurochirurgischer Sicht der Trend von operativen Eingrif-fen weg, da diese oft zu zusätzlichen Problemen und neuerlichen Schmerzen führen können.

Das Interview führte Thomas Müller.

 

* lt. IMAS-Umfrage der ÖSG, 2009

Das Moorheilbad Harbach

Die medizinischen Schwerpunkte im Moorheilbad Harbach liegen in der Behandlung von

Erkrankungen des Stütz- und Bewegungsapparates (Kur), Rehabilitation nach

orthopädischen Operationen, (Sport-)Verletzungen oder Unfällen. Seit 2014 wird das neue Kurheilverfahren „Gesundheitsvorsorge Aktiv“ angeboten. Medizinische Kompetenz,

modernste Behandlungsmethoden kombiniert mit dem heilkräftigen Harbacher Hochmoor

sind die Basis eines erfolgreichen Gesundheitsaufenthalts im Moorheilbad Harbach.

Weitere Informationen:

Tel: 02858/5255

www.moorheilbad-harbach.at

Vertragspartner der Österreichischen Sozialversicherung

Schmerzkongress

„Wenn Bewegung schmerzt: Leitlinien zur kompetenten Schmerztherapie“

Tipps für die Praxis

Freitag, 29. April 2016 im Moorheilbad Harbach

Eine Veranstaltung der Xundheitswelt-Akademie, in Kooperation mit:

Sektion Schmerz der ÖGARI, ÖSG, ÖNR, Landeskliniken Holding NÖ

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