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Innere Medizin 21. Dezember 2015

Sauerstoffmangel bei Neugeborenen

Schützt ein Gichtmedikament das Gehirn? Europaweite Studie testet Wirksamkeit.

Rund 900 Neugeborene mit Sauerstoffmangel während der Geburt sollen europaweit untersucht werden.

Die beiden Neonatologen Prof. Dr. Axel Franz und Prof. Dr. Mario Rüdiger haben eine europaweite Studie initiiert, mit der die Wirksamkeit einer neuen Medikation für Babys überprüft werden soll, die in der Geburtsphase akutem Sauerstoffmangel erlitten haben. Bei einem ungünstigen Verlauf führt dieser Mangel zum Tod oder zu dauerhaften Folgen in Form von motorischen Störungen oder einer verminderten geistigen Leistungsfähigkeit.

Die beiden Ärzte konnten die Gutachter des von der Europäischen Union initiierten Rahmenprogramms für Forschung und Innovation „Horizon 2020“ von ihrem Vorhaben überzeugen.

Ein bis vier von eintausend Neugeborenen erleiden einen Sauerstoffmangel während der Geburt. Der Sauerstoffmangel schädigt grundsätzlich alle Organe, doch das Gehirn reagiert am empfindlichsten.

In kleineren klinischen Studien wurde bereits gezeigt, dass sich durch die Gabe des Medikaments „Allopurinol“ direkt nach der Geburt die langfristigen Schäden weiter reduzieren lassen. Der zur Behandlung von chronischen Gicht-Erkrankungen eingesetzte Wirkstoff sorgt dafür, dass die Harnsäure-Konzentration im Blut gesenkt wird und beugt so akuten Gichtanfällen vor. Wie genau „Allopurinol“ nach einem Sauerstoffmangel wirkt, war lange Zeit unbekannt. Der Mangel setzt komplexe Prozesse in Gang, welche die Nervenzellen schädigen.

Diese Vorgänge entwickeln sich während der ersten Stunden nach dem Ereignis. Hieraus ergibt sich ein „therapeutisches Fenster“ für mögliche, die Hirnnerven schützende Behandlungen.

Universitätsklinikum Dresden, Ärzte Woche 49/2015

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