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© ogaudin/iStock/thinkstockphotos.com
Fettsenker scheinen in Ausnahmefällen Einfluss auf die Stimmung zu haben, bei Männern einen tendenziell beruhigenden.
 
Innere Medizin 14. September 2015

Ruhig Blut mit Statinen?

Statine machen Männer in Ausnahmesituationen eher ruhiger und Frauen aggressiver. Erstaunliche Daten aus dem Land der Fettsenker.

Mit ihren pleiotropen Effekten sind Statine für Überraschungen gut. Jetzt hat eine Studie ergeben: Männer, die Statine einnehmen, werden friedliebender – bestimmte Frauen werden allerdings aggressiver.

Forscher um die Internistin Dr. Beatrice Golomb von der University of California in San Diego haben 1.016 Erwachsene in einer doppelblinden, nach Geschlechtern stratifizierten Studie sechs Monate lang mit Placebo oder mit 20 mg Simvastatin oder 40 mg Pravastatin behandelt. Primärer Endpunkt war die Veränderung des Aggressivitätslevels auf einer standardisierten psychiatrischen Skala (OASMa-Skala). Dabei zeigte sich, dass beide Statine bei Männern zu einer statistisch signifikanten Abnahme der Aggressivität führten. Dieser Effekt war ausgeprägter bei Simvastatin-Therapie, bei der die LDL-Spiegel allerdings auch signifikant stärker gesenkt wurden. Und er trat vor allem bei Männern unter 40 Jahren auf, besonders dann, wenn sie bereits zu Studienbeginn eher geringe Aggressionsneigungen zeigten. Die aggressionslindernde Wirkung der Statine ging statistisch einher mit einer Abnahme der Testosteronspiegel. Umgekehrt neigten Männer, die nach Therapiebeginn über Schlafstörungen klagten, eher zu aggressivem Verhalten.

Eher Ausnahmeerscheinung

Bei Frauen sahen die Ergebnisse völlig anders aus. Hier korrelierte die Statintherapie mit einer Zunahme der Aggressivität. Dieser Effekt war bei postmenopausalen Frauen jenseits des 45. Lebensjahrs statistisch signifikant. Auch hier gab es, ähnlich wie bei den Männern, eine Korrelation mit niedrigeren Testosteronspiegeln, allerdings eine gegenläufige: Frauen, bei denen die Testosteronspiegel nach Beginn der Statintherapie sanken, wurden aggressiver. Und besonders anfällig waren jene Frauen, die zu Beginn nur geringe Aggressivitätslevels zeigten.

Welche Konsequenzen sollten aus diesen Ergebnissen gezogen werden? Die Autoren betonen, dass eine Zunahme von Aggressivität unter Statinen insgesamt eher eine Ausnahmeerscheinung sei. Sie komme aber vor, und auch tierexperimentell seien niedrigere Cholesterinspiegel mit höherer Aggressivität assoziiert gewesen.

Konkret wird empfohlen, nach Beginn einer Statintherapie nicht nur Muskelschmerzen, sondern auch psychische Veränderungen abzufragen, um die wenigen Patienten, bei denen die Aggressivität unter Statintherapie ein Problem darstellt, nicht zu übersehen. Ganz generell sollte bei psychischen und kognitiven Veränderungen aller Art immer zuerst die Medikationsanamnese erhoben werden.

Originalpublikation: Golomb B. et al. Statin Effects on Aggression: Results from the UCSD Statin Study, a Randomized Control Trial. PLoS One 2015; 10: e0124451

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