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Innere Medizin 2. September 2015

Im Dilemma zwischen Freiheit und Verbot

Die Übertragung von Informationen in mehr oder weniger Echtzeit ist Teil unseres Alltags. Das könnte für viele Menschen sehr hilfreich eingesetzt werden, indem wesentliche Informationen beispielsweise für eine medizinische Entscheidungsfindung schnell verfügbar sind und zusammengeführt werden können. Allerdings: Während Millionen Menschen in sozialen Netzwerken ihre oft sehr intimen Informationen ziemlich bedenkenlos quasi öffentlich machen, ist der Datenaustausch im medizinischen Bereich heiß diskutiert und mit zahlreichen Barrieren versehen, der an Datenschutz und bürokratischen Hürden bisweilen scheitert oder zumindest von diesen häufig beeinträchtigt und gehemmt wird. Datenschutzbedenken können da recht hartnäckig den Informationsaustausch zum Wohle des Patienten behindern, wenn beispielsweise der Datentransfer von einem Spital in Wien in ein mit diesem eng kooperierendes Krankenhaus in einem anderen Bundesland verweigert wird. Oder auch, wenn Computer die persönliche Anmeldung des Nutzers nach einem vorgegebenen – etwa halbstündigen – Zeitraum von selbst durch automatisches Ausloggen, immer wieder neu erfordern. Zeit- und Nervenverlust sind da vorprogrammiert

Weniger Freiraum – weniger Nachdenken

Die Regulierungsfreude ist jedenfalls umfassend in beinahe jeder Ebene unseres Lebens: Dass man mit dem Handy nicht während des Radfahrens telefoniert, während des Autofahrens auch keine SMS liest und schreibt, dass Kinder bis zum vollendeten 15. Lebensjahr beim Skifahren einen Helm tragen müssen (wie sinnvoll auch immer das sein mag und in Tirol und Vorarlberg gilt dies auch gar nicht) und Hunde in Wien an öffentlichen Orten mit Beißkorb und Leine ausgestattet sein müssen. Immer mehr Bereiche unseres Lebens werden mit Vorschriften und Verboten reglementiert, die einen Kreislauf in Gang setzen, der sich selbst antreibt: Der immer enger werdende Freiraum für die Entscheidungsfreiheit des Einzelnen schaltet offenbar proportional dazu das verantwortungsbewusste Denkvermögen aus: Rücksichtnahme und Eigenverantwortlichkeit nehmen rapide ab. Erstaunlicherweise ergab eine Umfrage des GfK vor zwei Jahren dagegen, dass die Österreicher sich selbst in einem hohen Maß als eigenverantwortlich sehen – übrigens auch als weltoffen und tolerant. Aber: 65  Prozent der Befragten der repräsentativen Stichprobe glauben nicht, dass weniger Verbote zu mehr Respekt untereinander führen würden, was ja durchaus einer Befürwortung von Verboten entspricht. Eine zwiespältige Haltung.

Erstaunlicherweise ist es dagegen bis dato nicht gelungen, hochriskante und für große Bevölkerungsgruppen nachteilige Geschäfte im Bereich des Finanzwesens in geregelte Bahnen zu bringen. Selbst große Wirtschaftskrisen der jüngsten Zeit haben daran nichts geändert. Die spekulativen Spielereien an den Weltbörsen wurden nach einer kurzen Schrecksekunde wieder aufgenommen: Mit Wetten auf Kursentwicklungen, von der Realität losgelösten Wertsteigerungen in einem artifiziellen Umfeld oder Preisspekulationen für Produkte, die die menschlichen Grundbedürfnisse befriedigen sollten. Alles wie gehabt und nicht minder zwiespältig.

„Springer Nature“: Wachsendes Dach der Wissenschaft

In eigener Sache: Für den Springer-Verlag wurde im vergangenen Frühjahr eine, wie wir meinen, sehr positive Entscheidung getroffen: Durch den Zusammenschluss von Springer Science + Business Media und einem Großteil von Macmillian Science and Education – beide mit einer langen und renommierten Tradition als Wissenschaftsverlage – bietet das neue Unternehmen unter dem Namen „Springer Nature“ ein noch breiteres Sortiment an hervorragender Wissenschaftsliteratur. Unter anderem ist eben das renommierte Journal „Nature“ nun auch unter dem gemeinsamen Dach. Damit wird Wissen und werden aktuelle Ergebnisse aus den unterschiedlichsten Wissenschaftsbereichen verknüpft und vernetzt und davon sollen möglichst breite Gruppen von Forschern, Anwendern und Interessierten profitieren. Begleiten Sie uns dabei!

Ihre

Verena Kienast

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