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Innere Medizin 14. Juli 2015

Führt Hochleistungssport zu Arthrose?

Gefährliche Entzündung

Rheumatologe Doz. Dr. Attila Dunky, Wien, meint Folgendes

Ist die Arthrose für Sportler typisch?

Dunky: Knie, Hüfte, Spondylarthrosen und das große Kapitel Polyarthrosen der Handfingergelenke, das ist ein weites Gebiet. Ich bin sehr unglücklich, weil die „Gelenkshygiene“ bei Sportlern nur ungenügend verwurzelt ist. Alle müssten auf die Gelenke achten, das gilt besonders für die Hüfte und die Kniegelenke. Bei arthrotischen Fingergelenken ist es eher ein allgemeines Problem, da können die Patienten schließlich keine Knöpfe auf- und zumachen, keine Flaschen mehr aufmachen. Natürlich muss man gesund leben, und sich bewegen. Also nicht auf dem Asphalt mit schlechtem Schuhwerk joggen.

Wieviel Bewegung muss sein?

Dunky: Das ist individuell verschieden. Junge, schlanke Menschen können viel mehr Bewegung machen als Übergewichtige. Ich habe sehr viele Typ-1-Diabetiker, die wir nach einer Trainingsphase auf einen 10-km-Lauf  geschickt haben. Da muss man genau aufpassen, dass sie nicht in eine Unterzuckerung hinein laufen. Marathonläufer und Fußballer haben ein erhöhtes Arthrose-Risiko. Skifahrer tragen Stützen für das Knie, die Kreuzbänder und Seitenbänder. Sie sind so eng geschnitten, dass man beim Skirennen gar nichts merkt. Jeder zweite Fußballer ist 1-2 Mal operiert.

Ist der Fußball fürs Knie gefährlicher geworden?

Dunky: Nicht nur die Bewegung schafft à la longue Probleme, sondern auch, dass der Fußballer mit aller Kraft hineinsteigen muss. Dazu kommen Bewegungswechsel, Dreh- und Quetschbewegungen. Der Beckengürtel ist bei Fußballern stark belastet - von der vielen Grätsche. Im Os pubis, wo alle Muskeln ansetzen, da haben sie Entzündungen. Spitzenfußballer sind meistens sehr jung und mit 35 geht es dann nicht mehr. Eine Oberschenkelzerrung oder eine Adduktorenreizung haben wir früher nicht so oft gesehen.


Führt die Arthrose immer zu einer Entzündung?

Dunky: Jede Arthrose IST eine lokale Entzündung. Bei einer Polyarthrose der Finger ist alles lokal „entzündet“ und tut weh. In dem Augenblick, wo es weh tut, haben wir lokal eine Entzündung. Die Entzündung setzt Zytokine frei, die den Knorpel wegschmelzen lassen. Das ist nicht die Abnützung wie bei einem Scharnier, sondern eine Entzündung. Dann schmilzt der Knorpel wie Schnee in der Frühjahrssonne. Bei so einer Entzündung infiltriere ich mit sehr wenig Cortison, damit Knorpel nicht abgebaut wird. Bei den Knien kann man Hyaluron einspritzen, das wirkt sehr gut.


Wie lange ist der Sportler nach einer Cortison-Injektion wieder beschwerdefrei?

Dunky: Wenn man nicht sofort trainiert, dann kann das durchaus halten. Entscheidend ist, dass das Prednisolon-Äquivalent beachtet wird. Es gibt hochwirksame Corticoide, die zu einer Überdosierung führen können. Bei Leistungssportlern wird durch die Therapie das Gelenk für 2-3 Wochen beruhigt und dann wieder extrem belastet. Das ist ein Problem der Leistungssportler. Bei Amateuren kann man es leichter hinkriegen. Der Patient sollte ruhig wieder ins Training hineinkommen.

Verwenden Spitzensportler nicht viel zu oft NSAR?

Dunky: Fußballer schlucken oft 2-3 Mal die Woche oder täglich ein NSAR, damit sie spielen können, damit die Schmerzen weg sind. Voltaren®  hat keine lokale Wirkung, es nimmt nur die Schmerzen weg und ist erst in höherer Dosis entzündungshemmend. Alle NSAR gehen entweder auf die Leber oder im Langzeiteffekt auf die Nieren. Es scheint nicht ohne NSAR zu gehen – das ist bis zu einem gewissen Grad Doping. Besser sind die Tapes, die entspannen und lockern. Aber es gibt auch Tapes, die mit Voltaren® oder Seractil® getränkt sind ... Skifahrer müssen für einige Minuten sehr hohe Leistungen bringen, die Hocke geht ununterbrochen auf die Knie und die Hüften. Ein Skispringer hat bei der Landung eine Belastung von 300kg pro cm² der Gelenksfläche. Diese extreme Belastung führt oft zu einem Knochenödem, das man im MRI nachweisen kann. 

Haben „Couch potatos“ häufiger Arthrosen?

Dunky: Ihr Übergewicht geht wegen der fehlenden Muskulatur voll auf die Gelenke. Diese Patienten brauchen regelmäßig Krafttraining und Ausdauertraining. Es ist schwierig, ihnen das beizubringen.

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