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Innere Medizin 5. August 2005

Bei Thrombose-Neigung: Homocystein-Spiegel bestimmen?

Toronto. Die Hyperhomocysteinämie ist ein unabhängiger Risikofaktor für die Entstehung einer venösen Thromboembolie. Liegt bei einem Patienten eine Thromboseneigung vor, dann sollten vor dem Hintergrund, dass ein großer Anteil der Bevölkerung hetero- oder homozygote Genmutationen für eine Homocystein-ämie hat, die Homocystein-Spiegel untersucht werden.  Zu diesem Ergebnis kommen Dr. Loralie Langman von der Universität Toronto in Kanada und ihre Mitarbeiter in einer retrospektiven Studie über den Zusammenhang zwischen der Höhe des Homocystein-Spiegels und dem Auftreten thromboembolischer Komplikationen (Arch. Intern. Med). 

Hierzu wurden die Homocystein-Spiegel von 70 ambulanten Patienten der Toronto Hospital Thrombosis Clinic mit vorangegangener venöser Thrombose oder Lungenembolie ohne Vorgeschichte einer Atherosklerose mit den Homocystein-Spiegeln von 210 Kontrollpersonen verglichen. In der Thromboembolie-Gruppe waren die durchschnittlichen Plasma-Homocystein-Spiegel mit 13,0 µmol/l signifikant höher als in der Kontrollgruppe mit 9,0 µmol/l. Der Anteil der Patienten mit einer Hyperhomocysteinämie, die von der American Heart Association mit Werten von über 10,0 µmol/l definiert wird, lag in der Thromboembolie-Gruppe bei 23 Prozent, in der Kontrollgruppe hingegen bei fünf Prozent. 

Damit war das relative Risiko eines Patienten in der Thromboembolie-Gruppe, eine Hyperhomocysteinämie zu haben, knapp sechsmal höher als in der Kontrollgruppe. Wurden Patienten mit eingeschränkter Nierenfunktion, erniedrigten Vitamin B12- und Folsäure-Spiegeln nicht berücksichtigt, blieben die Unterschiede mit einem relativen Risiko von 3,3 weiterhin signifikant. Nicht bestätigt wurde die These, wonach Patienten mit Hyperhomocysteinämie sehr früh Thromboembolien bekommen und besonders schwere Verläufe zeigen.

Die hohen Homocystein-Spiegel in der Thrombose-Gruppe weisen nach Ansicht der Forscher darauf hin, dass die Hyperhomocysteinämie unabhängig vom Alter ein wichtiger Risikofaktor für eine venöse Thromboembolie sein könnte. Hohe Homocystein-Spiegel seien wahrscheinlich kausal an der Entstehung einer Thrombose beteiligt, indem sie die Funktion des Gefäßwandendothels stören, verursacht durch die Proliferation glatter vaskulärer Muskelzellen und hämostatische Veränderungen. Derartige Veränderungen konnten in vorangegangenen Studien in vitro ausgelöst werden. In weiterer Folge sollte nach Ansicht der Forscher untersucht werden, wie hoch das Risiko dafür bei einer Kombination von Hyperhomocysteinämie mit anderen Risikofaktoren wie dem Auftreten von Antiphospholipid-Antikörpern und Defekten von Protein C, Protein S oder Antithrombin III ist.

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