zur Navigation zum Inhalt
 
Innere Medizin 5. August 2005

Prävention auch bei Herz- und Lungenerkrankungen

Paris. 60 Prozent aller Klinikeinweisungen aufgrund venöser Thrombo-Embolien und 75 Prozent aller Todesfälle an Lungenembolien betreffen internistische Patienten. Doch im Gegensatz zu chirurgischen Patienten wird bei ihnen oft keine Thromboembolie-Prophylaxe vorgenommen. Bei internistischen Patienten ist eine effektive Prävention möglich, und sie sollte in Risikosituationen erwogen werden, sagte Prof. Dr. Alexander Cohen vom St. Thomas² College School of Medicine in London. Viele internistische Erkrankungen erhöhen die Gefahr venöser Thromboembolien, zum Beispiel Herz- oder Lungenerkrankungen, entzündliche Darmerkrankungen, rheumatische Erkrankungen oder Beinlähmungen infolge eines Schlaganfalls. Bei jeder akuten Verschlechterung, zum Beispiel bei dekompensierter Herzinsuffizienz, respiratorischer Dekompensation oder akuter Infektion steigt das Risiko. Ein Alter von über 70 Jahren bedeutet per se ein erhöhtes Risiko. Hinzu kämen in Einzelfällen weitere Auslöser für eine Thromboembolie, etwa ein Muskeltrauma, eine Immobilisation oder auch nur ein Langstreckenflug, so Cohen.

Eine Thromboembolie-Prophylaxe mit Heparinen, oralen Antikoagulantien und intermittierender Venenkompression ist auch bei solchen Patienten gut wirksam und sollte bei allen akuten Erkrankungen mit mittlerem bis hohem Thromboserisiko initiiert und für die Dauer des erhöhten Risikos, etwa bei Immobilisation, beibehalten werden, riet Cohen. In der MEDENOX-Studie (MEDical Patients with ENOXaparin) nahmen 1.102 akut erkrankte internistische Patienten mit mindestens einem weiteren Thromboembolie-Risikofaktor teil. Bei ihnen senkte Enoxaparin in der Dosis von 40 mg einmal täglich subkutan über maximal 14 Tage das relative Risiko für venöse Thromboembolien im Vergleich zu Plazebo um 63 Prozent. Die 20 mg-Dosis war nicht ausreichend effektiv. Darüber hinaus gibt es neue Daten zu Patienten auf der Intensivstation. In einer aktuellen Studie an Patienten mit akutem Schlaganfall lag die Thromboembolierate unter 40 mg Enoxaparin mit 20 Prozent signifikant niedriger als unter unfraktioniertem Heparin mit 35 Prozent. Blutungen, hämorrhagische Transformationen und Todesfälle waren mit dem niedermolekularen Heparin seltener, und auch das neurologische Ergebnis fiel zumindest tendenziell besser aus. Die Behandlungskosten der mit dem niedermolekularen Heparin behandelten Patienten waren zudem niedriger als bei Prophylaxe mit unfraktioniertem Heparin oder bei Patienten ohne Prophylaxe.

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben