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Innere Medizin 5. August 2005

Präoperative NMH in der Gynäkologie

Wir befassten uns im Krankenhaus Klosterneuburg mit den intraoperativen, hämostatischen Vorgängen und mit der Thrombogenese während der abdominalen Hysterektomie mit Entfernung der Adnexe und führten histologische Untersuchungen der ligierten Vasa ovarica und uterina durch. Einen Unterschied gab es nur in der präoperativen Vorbereitung der drei Gruppen: 

1.) ohne Thromboseprophylaxe vor der Operation
2.) präoperative Prophylaxe mit Standard-Heparin (LDH)
3.) präoperative Prophylaxe mit niedermolekularem Heparin (LMWH)

In den Lichtungen der Venen fanden wir verschluss- oder wandständige Thromben in 83 bzw. 80 Prozent der Fälle ohne Heparinprophylaxe. 
Um die Gefahr für eine Thrombose und Embolie mit Ausgangspunkt Operationsfeld zu minimieren, spritzten wir zwei Stunden vor der Operation 5000 I.E. Standard-Heparin. Thrombotische Vorgänge in den Stümpfen fanden wir hier in 30 beziehungsweise 20 Prozent der Fälle. 
Die besten Ergebnisse ergab das Enoxaparin mit 20 mg s.c. 2 Stunden vor der Operation: Kein totaler thrombotischer Verschluss der Lichtungen von Vasa ovarica und uterina, in den Venen nur wandständige Ablagerungen in 13 Prozent der Fälle, auch die Endothelschäden waren reduziert. 

Die Ergebnisse aus der Studie setzten wir in die klinische Praxis um. Ab 1971 praktizierten wir noch eine selektive intra- und vor allem postoperative Prophylaxe (Dextran, Phenprocoumon, Heparin u.a.). Ab 1977 verabreichten wir bei erhöhtem Risiko 3x5000 I.E. LDH. Ab 1985 standen verlässliche LMWH zur Verfügung: Wir spritzten 20mg Enoxaparin s.c. zwei Stunden vor der Operation, bei erhöhtem Risiko 40 mg. Die Patientinnen bekamen die Medikamente bis zur zufriedenstellenden Mobilisation (zusätzlich zu physikalischen Maßnahmen).

Zur Beurteilung der Ergebnisse wurden objektive Kriterien wie Blutungen, Transfusionsbedürftigkeit, Re-Laparotomien, Bauchdeckenhämatome, TVT und tödliche Pulmonalembolien (PE), die wir bis 4 Wochen nach der Entlassung erfassten, herangezogen. 
Die Anzahl der Komplikationen (in Klammer in Prozent) werden in der Reihenfolge Selektion, LDH, LMWH wiedergegeben, wobei nur die gynäkologischen Operationen inklusive der kleineren Eingriffe gezählt werden. 

  • Blutungen: 42 (1,8%); 16 (0,7%); 7 (0,3%). 

  • Transfusionen: 47 (2 %); 12 (0,5%); 7 (0,3 %). 

  • Hämatome: 16 (0,7%); 7 (0,3%); 3 (0,13%). 

  • Relaparotomie: 2 (0,08%); keine

  • TVT: 11 (0,47%); 4 (0,17%); keine 

  • Tödliche PE: 2 (0,085%): 1 (0,04%, zusammen mit den geburtshilflichen 3254 Operationen 0,03%); keine. 

Keine Patientin verstarb an einer Blutung. Die Risiko-adjustierte generelle, präoperative Thromboseprophylaxe mittels NMH ist bei sehr geringer Komplikationsrate in der Gynäkologie und Geburtshilfe äußerst effektiv.

Prim.a.D. Prof Dr. Rudolf Slunsky, Ärzte Woche 8/2002

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