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Innere Medizin 5. August 2005

Thrombose: Bettruhe nicht unbedingt nötig

Erlangen. Neue Erfahrungen sprechen gegen die herkömmliche Auffassung, dass Patienten mit akuten Bein- oder Beckenvenenthrombosen Bettruhe einhalten müssen, um vor Lungenembolien geschützt zu sein. Vielmehr könnten die meisten Thrombosepatienten unter einer Therapie mit Antikoagulation und Kompression ohne Nachteil aufstehen. Diese Meinung wird an der angiologischen Ambulanz des Universitätsklinikums Dresden vertreten, seit dort eine Studie in den Jahren 1996 bis 1998 keinen signifikanten Unterschied der Lungenembolieraten von Patienten mit und ohne Immobilisierung ergeben hat. Auch neue Untersuchungen zur ambulanten Therapie von Thrombosepatienten hätten eine Behandlung ohne Bettruhe gerechtfertigt.

Gründe dafür, Thrombosepatienten eine Bettruhe zu verordnen, könnten sich dann ergeben, wenn bereits eine hämodynamisch wirksame Lungenembolie vorliege oder Kontraindikationen gegen die Heparinisierung bestünden, so der Angiologe Dr. Thomas Schwarz von der Medizinischen Klinik III der Universität Dresden. Dagegen habe das Kriterium eines flottierenden proximalen Thrombusendes nach neuen Studienergebnissen keinen Einfluss auf die Lungenembolierate und sei daher auch kein Argument für eine Ruhigstellung. Mögliche Nachteile der Bettruhe sieht Schwarz im Risiko weiterer Thrombosen oder anderer Folgeerkrankungen der Immobilisierung sowie in der Verlängerung des Krankenhausaufenthaltes. Inzwischen gingen die Dresdner Forscher noch weiter, so der Angiologe: Den meisten Thrombose-Patienten könne nicht nur die Bettruhe erspart werden, sondern auch ein stationärer Aufenthalt.

In einer Studie seien etwa 80 Prozent der Patienten wegen einer akuten Thrombose tiefer Bein- oder Beckenvenen ambulant behandelt worden. Sie erhielten Nadroparin subkutan je nach Körpergewicht, Vitamin K-Antagonisten entsprechend den Gerinnungswerten und eine Kompressionstherapie. Bei der Auswertung und dem Vergleich der ambulant und stationär behandelten Patienten hätten die Dresdner Angiologen keinen signifikanten Unterschied gefunden in der Häufigkeit von Lungenembolien, Blutungsereignissen und Thrombose-Rezidiven.

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