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Innere Medizin 5. August 2005

APC-Resistenz / Faktor V-Leiden

1993 wurde mit der aktivierten Protein C (APC)-Resistenz ein Gerinnungsdefekt entdeckt, der in der Normalbevölkerung in heterozygoten Ausbildung mit einer Prävalenz von 2-8,5 Prozent vorkommt. Die Prävalenz bei Patienten mit thrombophiler Diathese (Tiefe Beinvenenthrombose, Lungenembolie) wird je nach Autor mit 10-64 Prozent angegeben. 

Die APC-Resistenz ist damit die häufigste hereditäre Ursache einer Thrombophilie. Gegenüber der Normalbevölkerung weisen heterozygote Träger ein 7-fach, homozygote Träger ein 80-fach erhöhtes Thromboserisiko auf. Bei Heterozygoten treten Thrombosen meist nur bei Vorliegen eines zusätzlichen Risikofaktors (zum Beispiel Rauchen, Schwangerschaft, orale Kontrazeptiva, Immobilisation, Kombination mit anderem Gerinnungsdefekt) auf.

APC beeinflusst zusammen mit einem Kofaktor den Gerinnungsprozess durch proteolytische Inaktivierung der Faktoren Va und VIIIa. Faktor Va entsteht durch Spaltung aus dem Faktor V-Protein, ein Prozess, der durch Faktor IIa vermittelt wird.

Ursache der APC-Resistenz ist eine Punktmutation im Faktor V-Gen, bei der an einer bestimmten Position ein Guanin gegen ein Adenin ausgetauscht ist. Dies hat im translatierten Protein den Austausch von Arginin durch Glutamin zur Folge. Das so veränderte Faktor V-Genprodukt wird auch als Faktor V-Leiden (FVL) bezeichnet, der Name kommt von der niederländischen Universitätsstadt Leiden.

Da die durch die Mutation veränderte Aminosäure in der Bindungsstelle mit dem APC-Protein lokalisiert ist, kann die FVL-Variante nur noch unzureichend von APC gespalten und inaktiviert werden. Durch die daraus resultierende Akkumulation des Faktors Va kommt es zu einer gesteigerten Gerinnungsneigung, was letztendlich zu einem erhöhten Thromboserisiko führt.
Die Messung der APC-Resistenz ist ein wichtiger labordiagnostischer Parameter zur Erkennung funktionaler Störungen im Gerinnungssystem und kann als Hinweis für einen vorliegenden FVL-Genotyp dienen. Für den diagnostischen Nachweis wird aus Citratplasma mittels der aktivierten PTT (aPTT) der Phänotyp bestimmt: APC bewirkt eine physiologische Gerinnungsinaktivierung über die Spaltung der aktivierten Gerinnungsfaktoren Va und VIIIa. Protein S potenziert als Kofaktor diesen Effekt. Wird Citratplasma mit aktiviertem Protein C versetzt, resultiert aufgrund der Spaltung der Faktoren Va und VIIIa eine Verlängerung der aPTT. Beim Vorliegen einer APC-Resistenz bleibt diese Verlängerung partiell oder vollständig aus. 

Für die genaue Feststellung des Genotyps (v.a. die Unterscheidung von hetero- und homozygoten Merkmalsträgern) ist eine molekularbiologische Analyse auf DNA-Ebene notwendig. 

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